Spina bifida: Offener Rücken beim Baby

Spina bifida ist eine Fehlbildung an der Wirbelsäule des Babys, die schon sehr früh in der Schwangerschaft auftritt. Die Konsequenzen sind unterschiedlich: Manchmal bleibt die Spina bifida vollkommen unbemerkt, während sie in anderen Fällen eine schwere Lähmung zur Folge hat.

Spina-bifida

Ursachen einer Spina bifida

Schon in der Frühschwangerschaft, noch vor der vierten Schwangerschaftswoche, bildet sich das sogenannte Neuralrohr. Dies ist die Vorstufe des zentralen Nervensystems. In seltenen Fällen entsteht am Neuralrohr eine Fehlbildung: Anstatt sich vollständig zu schließen, bleibt eine Öffnung, weshalb Spina bifida umgangssprachlich auch offener Rücken genannt wird.

Wissenswert: In Deutschland wird etwa jedes 2.000. Baby mit einer Spina bifida geboren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Geschwisterkinder ebenfalls von dieser Fehlbildung betroffen sind, liegt zwischen fünf bis acht Prozent.

Die Ursachen für diese Verschlussstörung konnten bislang nicht genau geklärt werden. Es könnte jedoch eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen, da sich das Risiko innerhalb einer Familie, in der die Erkrankung bereits vorliegt, erhöht.

Als weiterer Risikofaktor gilt ein Folsäuremangel. Darum wird Frauen, die einen Kinderwunsch hegen, bereits vor der Schwangerschaft empfohlen, Folsäure in Tablettenform zu sich nehmen. Denn: Bei Bekanntwerden der Schwangerschaft ab der fünften Schwangerschaftswoche kann die Fehlbildung bereits fortgeschritten sein. Man geht davon aus, dass die rechtzeitige Einnahme von Folsäure die Hälfte der Spina-bifida-Fälle in Deutschland verhindern könnte.

Auch durch bestimmte Medikamente, beispielsweise durch die Einnahme von Antiepileptika, kann sich das Risiko für die Erkrankung erhöhen.

Verschiedene Arten der Spina bifida

Man unterscheidet zwei Formen des offenen Rückens:

1. Spina bifida occulta

Dies ist sozusagen die versteckte Variante der Spina bifida (lat. occulta: verborgen). In diesem Fall sind das Rückenmark und die Hirnhäute intakt, die Wirbelbögen sind jedoch gespalten.

Die Spina bifida occulta verursacht meist keinerlei Probleme und ist nicht von außen sichtbar. Darum wird sie oft eher zufällig bei einer Röntgenuntersuchung entdeckt – muss in der Regel aber nicht behandelt werden. Auffällig ist, dass diese Form ungewöhnlich häufig bei Kindern auftritt, die Bettnässer sind.

2. Spina bifida aperta

Die Spina bifida aperta ist die offene und sichtbare Variante. Die Öffnung bezieht sich nicht nur auf die Wirbelbögen, sondern auch auf die Hirnhäute und/oder das Rückenmark. Das Gewebe tritt sackartig aus dem Rücken heraus. Sind nur die Hirnhäute betroffen, das Rückenmark aber völlig gesund, handelt es sich um eine sogenannte Meningozele. Hier sind die Hirnhäute von außen mit Haut überzogen. In der Regel treten bei der Meningozele keine Symptome auf.

Ist auch das Rückenmark nach außen vorgewölbt, spricht man von einer Myelomeningozele. Dies ist die häufigste und gleichzeitig schwerste Variante des offenen Rückens, bei der folgende Symptome auftreten können:

  • Muskelschwund in den Beinen
  • Kontrollverlust über Darm und Blase
  • Ansammlung von Hirnwasser im Gehirn (Hydrozephalus/Wasserkopf)

Damit einher geht fast immer eine Querschnittslähmung. Je nachdem, an welchem Wirbel die Spina bifida sitzt, kann die Lähmung unterschiedlich stark ausfallen.

Behandlung und Therapie

Wird die Fehlbildung bereits in der Schwangerschaft festgestellt, rät man zu einer Entbindung per Kaiserschnitt. In den ersten Lebenstagen des Säuglings wird eine Spina bifida aperta operativ verschlossen.

Je nachdem, welche weiteren Symptome auftreten, muss sich das Kind weiteren medizinischen oder therapeutischen Behandlungen unterziehen. Dazu gehört beispielsweise die künstliche Entleerung der Blase durch einen Katheter oder Krankengymnastik, wenn eine Wirbelsäulenkrümmung die Folge ist.

Operation einer Spina bifida im Mutterleib

In verschiedenen US-amerikanischen und europäischen Spezialkliniken führen Ärzte Operationen einer Spina bifida aperta pränatal, also am ungeborenen Kind, durch. Der offene Rücken wird dabei schon vor der Geburt durch einen Gewebeflicken verschlossen. Während der weiteren Schwangerschaft ist das Rückenmark dadurch geschützt und kann sich besser entwickeln.

Aktuell kommen zwei Operationsverfahren zum Einsatz:

  • Bei der offenen Operation wird der Bauch der Mutter und auch die Gebärmutter geöffnet.
  • Bei dem endoskopischen Verfahren werden nur drei Röhrchen durch die Bauchdecke bis zum Kind vorgeschoben. Darüber können chirurgische Instrumente eingeführt und gesteuert werden.

Beide Verfahren sind noch relativ jung und weisen bislang viele Risiken auf. So kann es beispielsweise zu einer Infektion des Fötus kommen.

Verschiedene Studien kommen jedoch zu positiven Ergebnissen: Die vorgeburtlich operierten Babys leiden seltener unter überschüssigem Hirnwasser und entwickeln sich motorisch besser, als postnatal operierte Säuglinge. Die Lebensqualität der Kinder mit Spina bifida kann durch eine pränatale Operation gesteigert werden, allerdings liegen bisher noch keine Langzeitstudien vor.