Medikamente fürs Babys: Das sollten Eltern wissen

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Babys schon gar nicht. Manche Wirkstoffe, die für Erwachsene vollkommen harmlos sind, belasten einen kleinen Körper enorm. Die medizinische Behandlung, insbesondere die Gabe von Medikamenten für Babys sollte daher stets sorgfältig abgewogen und mit dem Kinderarzt besprochen werden.

Medikamente für Babys wirken anders

Ein Mädchen erhält von einer Ärztin ein Medikament.

Mütter kennen das: Bereits in der Schwangerschaft wird die Einnahme jeder Schmerztablette wohl überlegt. Denn die Wirkstoffe von Medikamenten können zum ungeborenen Kind gelangen und im schlimmsten Fall Entwicklungsschäden hervorrufen. Die medikamentöse Behandlung wirkt auf das Baby ganz anders, als auf den mütterlichen Körper.

Das ist nach der Geburt erst einmal nicht viel anders. Der kindliche Körper hat einen anderen Fett- und Wasseranteil, was die Wirkung von Medikamenten beeinflusst. Kinder brauchen beispielsweise eine viel niedrigere Dosis, die meist mit dem Gewicht zusammenhängt. Kinderärzte benutzen dafür sogenannte pädiatrische Dosistabellen, anhand derer sie die richtige Dosis für jedes Kind individuell ermitteln.

Allerdings reicht es längst nicht aus, die Dosis auf das Gewicht abzustimmen – das Alter spielt ebenfalls eine Rolle. Die Organe von Babys und Kleinkindern sind noch nicht vollständig ausgereift und können Medikamente daher nicht so gut verarbeiten wie Erwachsene. Leber und Nieren von Säuglingen beispielsweise bauen Wirkstoffe noch sehr langsam ab, während der Stoffwechsel von Kindern über zwei Jahren viel schneller arbeitet. Darum unterscheidet man auch häufig zwischen Medikamenten für Babys und solchen für Kleinkinder ab ein oder zwei Jahren.

Schmerzmittel für Babys: Keine Acetylsalicylsäure

Ähnlich wie in der Schwangerschaft raten Kinderärzte davon ab, Babys und Kindern das Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (ASS) zu verabreichen. Der Wirkstoff kann das sogenannte Reye-Syndrom auslösen, das mit Hirn- und Leberschäden einhergeht. Eine Alternative ist Paracetamol, das es als Saft oder Zäpfchen auch für Säuglinge gibt.

Medikamente – ja oder nein?

Um den kleinen Körper nicht zu belasten, sollten Babys so wenig Medikamente wie möglich erhalten. Viele grippale Infekte, Fieber, Atemwegserkrankungen oder Verdauungsprobleme lassen sich auch mit Hausmitteln behandeln.

Das bedeutet aber keinesfalls, dass auf eine notwendige medikamentöse Behandlung verzichtet werden soll. Die Gabe von Medikamenten, insbesondere bei Wirkstoffen wie Cortison, Antibiotika oder starken Schmerzmitteln, muss sorgfältig abgewogen werden. Der Kinderarzt, aber auch die Hebamme, sind für Eltern verlässliche und erfahrene Ansprechpartner.

Hausapotheke mit Medikamenten fürs Baby

Babys sind leider grundsätzlich sehr anfällig für Krankheiten. Das Immunsystem läuft noch nicht auf vollen Touren, sodass Viren und Bakterien leichtes Spiel haben. Außerdem stecken sich Babys vieles in den Mund und haben beim Spielen engen Körperkontakt mit anderen Kindern. Dadurch werden Krankheiten schnell übertragen.

Interessant: Kinderärzte erachten zehn bis fünfzehn Infekte pro Jahr als normal.

Es ist sinnvoll, für den Alltag eine kleine Kinder-Hausapotheke zu bestücken. Neben üblichen Hilfsmitteln wie Schere, Pinzette, Fieberthermometer, Pflaster und Verbandsmaterialien sind folgende Medikamente für Babys sinnvoll:

  • Fieberzäpfchen (oder Fiebersaft)
  • Zinksalbe bei Windeldermatitis
  • Wundcreme für Schürfwunden
  • Elektrolytlösung für starken Durchfall oder Erbrechen
  • Meersalzspray und Nasentropfen (letztere nur kurzfristig einsetzen!)

Arzneimittel sollten möglichst dunkel, kühl und trocken gelagert werden. Bei Sommerhitze gehören manche Präparate (beispielsweise Fieberzäpfchen) besser in den Kühlschrank. Überprüfen Sie die Haltbarkeit der Medikamente regelmäßig. Bewahren Sie alles an einem Ort auf, damit Sie im Krankheitsfall nicht lange suchen müssen.

Medikamente von Babys fernhalten

Nach Haushaltschemikalien wie Putzmitteln sind Medikamente die zweithäufigste Ursache für Vergiftungen. Alle Medikamente, egal ob für Erwachsene oder Babys, sollten stets kindersicher und verschlossen aufbewahrt werden. Das gilt auch für vermeintlich harmlose Medikamente wie pflanzliche oder homöopathische Präparate, Verhütungsmittel oder sogar Fluoridtabletten zur Kariesprophylaxe.

Gerade Babys und Kleinkinder, die mit großer Neugier ihre Welt entdecken und noch vieles direkt in den Mund stecken, sind besonders gefährdet, sich mit herumliegenden Medikamenten lebensgefährlich zu vergiften. Erwachsene sollten Medikamente möglichst nicht vor einem Kind einnehmen, um sie nicht zum Nachahmen zu animieren.

Tipps: Medikamente für Babys und Kleinkinder sicher verabreichen

Tabletten sind Babys generell schwer zu verabreichen, während Zäpfchen, Tropfen oder Saft bei Kindern besser geeignet sind. Trotzdem nehmen Kinder Medikamente oft ungerne ein. Ein paar Tricks helfen:

  • Zäpfchen kann man in der Hand etwas vorwärmen, damit sie besser gleiten. Etwas Vaseline hilft.
  • Medizin, die oral verabreicht wird, sollte das Kind im Sitzen oder Stehen einnehmen, damit es sich nicht verschluckt.
  • Medikamente mit einem unangenehmen Geschmack können mit Tee oder Saft verabreicht werden. Das gilt allerdings nicht für jedes Präparat, so beeinflusst Grapefruitsaft beispielweise die Wirkung einiger Medikamente. Fragen Sie vorher unbedingt den Kinderarzt.

Wenn sich ein Kind gegen die Einnahme von Medikamenten wehrt, sollte man die Medizin nicht mit Gewalt verabreichen. Denn dies kann dazu führen, dass sich die Abwehrhaltung des Kindes verstärkt. Versuchen Sie, sofern das Kind alt genug ist, zu erklären, warum die Einnahme nötig ist. Auch kleine Belohnungen helfen, den Widerstand aufzulösen.

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, einem Baby oder Kleinkind Medikamente zu geben, sprechen Sie Ihren Kinderarzt offen an. Gemeinsam können Sie überlegen, wie dem Kind die Einnahme erleichtert wird.

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