Kinderwunsch und Familienbild in Deutschland


In vielen Beziehungen gehört der Gedanke, gemeinsam eine Familie zu gründen, ganz natürlich dazu. Dies zeigt sich etwa auch in den deutschlandweiten Statistiken. Zwar waren die Geburtenzahlen in Deutschland seit etwa 1990 rückläufig, seit dem Jahr 2000 steigt die Geburtenrate jedoch wieder an. So erblickten im Jahr 2010 in Deutschland rund 677 947 Babys das Licht der Welt — 2020 waren es bereits 773 144.1  

Auch das Familienbild ist im Wandel: Ebenso wie bei heterosexuellen Paaren gibt es zahlreiche gleichgeschlechtliche Partnerschaften, bei denen ein unerfüllter Kinderwunsch besteht. Auch wenn die rechtliche Situation noch Lücken aufweist, sind die sogenannten Regenbogenfamilien längst Realität. Außerdem gibt es immer öfter Singles, die gerne ein Kind hätten, auch wenn der Partner dazu fehlt. Für beide stehen verschiedene Wege offen, darunter beispielsweise die Adoption oder die künstliche Befruchtung.

Kinderwunsch & Schwangerschaft: Planung ist alles!

Die perfekte Zeit für ein Kind gibt es nicht — denn eigentlich ist jeder Zeitpunkt irgendwie perfekt. Unabhängig davon kann man sich die Kinderplanung und die letztendliche Entscheidung mit der richtigen Vorbereitung aber erleichtern. Nicht nur eine Impfung der Mutter (etwa gegen Röteln, Masern oder Windpocken), die das Kind während der Schwangerschaft schützt, sondern beispielsweise auch das Wissen über die genauen Kosten einer Schwangerschaft sind dabei wesentliche Aspekte.

Den Kinderwunsch unterstützen — aber wie?


Ist der Wunsch gefasst, ein gemeinsames Kind auf natürlichem Weg zu bekommen, gibt es eine Reihe von Aspekten, die die Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft erhöhen. Dazu gehört es — abgesehen vom Absetzen der Verhütungsmittel und dem richtigen Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr  — auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Das heißt: 

  • Genussmittel vermeiden (Nikotin, Alkohol, sonstige Drogen) 
  • auf gesunde und ausgewogene Ernährung achten (vitamin-, ballaststoffreich, zucker- und fettarm) 
  • möglichen Mangelerscheinungen mit Nahrungsergänzungsmitteln vorbeugen (vor allem Folsäure, Eisen, Magnesium oder Zink) 
  • viel Bewegung in den Alltag integrieren (regelmäßiger Sport) 

Im Übrigen gilt dies nicht nur für die weibliche, sondern ebenso für die männliche Seite. Eine bewusste Lebensweise mit einer gesunden Ernährung wirkt sich nicht nur auf die Fruchtbarkeit der Frau, sondern ebenso auf die Spermienqualität des Mannes aus. Idealerweise versuchen Sie in dieser Phase zudem so gut es geht äußere Einflüsse, wie beispielweise übermäßigen Stress im Alltag oder im Berufsleben, zu reduzieren.

Neben dem Lebensstil haben mitunter auch verschiedene Medikamente Einfluss auf die Fruchtbarkeit und reduzieren damit die Chance auf eine Schwangerschaft. Dazu zählen mitunter Mittel gegen Bluthochdruck, Antidepressiva, Neuroleptika oder Präparate gegen Rheuma. Sofern Sie Medikamente dieser Art einnehmen, sprechen Sie in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt. Er kann Sie im Zweifelsfall beraten und mögliche Alternativen verschreiben. 

Wie lange braucht man, um schwanger zu werden?

Es gibt keine allgemeingültige Angabe dazu, wie lange es dauert schwanger zu werden. Hier spielen sehr viele individuelle Parameter eine Rolle, weshalb sich jeder Fall unterschiedlich gestaltet.

Laut Statistik beträgt die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit für die Befruchtung der Eizelle bei fruchtbaren Paaren etwa 27,7 Prozent. Das bedeutet: Im Schnitt ist etwa nur jeder vierte Zyklus erfolgreich. Da es manchmal bis zu zwölf Zyklen dauern kann, bis es zu einer Schwangerschaft kommt, kann man statistisch gesehen von einem ungefähren Zeitraum von vier bis zwölf Zyklen sprechen.2

Kinderwunsch: Welche Rolle spielt der weibliche Zyklus?


Sobald im weiblichen Körper in jungen Jahren die Periode einsetzt, beginnt auch die Fruchtbarkeit. Ab diesem Zeitpunkt läuft der jeweils etwa einen Monat dauernde weibliche Zyklus in verschiedenen Phasen ab. Grundsätzlich gehören dazu:  

  • Desquamationsphase (Abstoßen der Gebärmutterschleimhaut) 
  • Proliferationsphase (Heranreifung der Eizelle, Aufbau der Gebärmutterschleimhaut)  
  • Sekretionsphase (Vorbereitung für Aufnahme von befruchteter Eizelle) 

Bei einem Kinderwunsch ist dabei die Ovulationsphase während der Proliferationsphase (etwa in der Mitte des Zyklus) besonders wichtig, da hier üblicherweise der Eisprung stattfindet. Die Zeiträume kurz davor und danach gelten als die fruchtbaren Tage, in denen eine Frau schwanger werden kann. Zur Bestimmung dieses kleinen Zeitfensters dienen beispielsweise die Körpertemperatur sowie die Beschaffenheit des Zervixschleims und die des Muttermundes. 

Wann ist die Rede von einer Risikoschwangerschaft?

In der Regel spricht man von einer Risikoschwangerschaft, wenn die Schwangere besonders jung oder aus medizinischer Sicht vergleichsweise alt ist. Darüber hinaus zählen beispielsweise auch Mehrlingsschwangerschaften zu den riskanten Schwangerschaften.

Was tun bei unerfülltem Kinderwunsch?


Versuchen Sie mit Ihrem Partner ein Kind zu bekommen — aber der erwünschte Erfolg bleibt aus? Dann sind Sie damit nicht allein. Die Ursachen dafür, warum es mit dem Schwangerwerden nicht funktioniert,  können sehr unterschiedlich sein. Nicht zwingend hat der „Misserfolg“ beim Kinderkriegen mit der eigenen Fruchtbarkeit zu tun. 

Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten Menschen nämlich erst dann als unfruchtbar, wenn es trotz Verzicht auf Verhütungsmittel und bei regelmäßigem  Geschlechtsverkehr auch nach 12 Monaten oder länger nicht zu einer Schwangerschaft kommt.3 Vorher sprechen Experten von sogenannten Konzeptionsschwierigkeiten.  

Ungewollte Kinderlosigkeit ist in der heutigen Zeit kein Grund zu verzweifeln, denn in der Medizin gibt es zahlreiche Methoden, um beispielsweise die Ursachen für die ausbleibende Empfängnis zu ermitteln. Dies geschieht etwa durch ein Spermiogramm zur Ermittlung der Spermienqualität oder mittels einer Messung des sogenannten Anti-Müller-Hormons (AMH), das Aussagen über die Menge der produzierten Eizellen und damit das Fruchtbarkeitspotenzial der Frau ermöglicht. In der Regel findet dieser Test über eine Blutprobe statt.  

Auf der anderen Seite kann die moderne Medizin auch beim Versuch ein Kind zu bekommen unterstützen. Hierbei kann etwa mit hormonell wirksamen Medikamenten therapiert werden. Diese helfen beispielsweise  

  • bei der Förderung des Wachstums von Follikeln im Eierstock (etwa mit dem Wirkstoff Clomifen),  
  • bei der Stimulation der Reifung der Eizellen und Eibläschen oder  
  • bei der Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung des Embryos (Progesteron).  

Da bei hormonellen Behandlungen mit Risiken und Nebenwirkungen zu rechnen ist, sollten Sie sich im Vorfeld einer solchen Therapie ausführlich von Ihrem Frauenarzt informieren und beraten lassen.4 

Geheime Tipps um schwanger zu werden?

Abgesehen von den genannten Empfehlungen, um den Kinderwunsch zu unterstützen, gibt es leider keine wirklichen Geheimtipps, um schnell schwanger zu werden.

Wichtig ist: Lassen Sie sich nicht verrückt machen und gehen Sie die Sache entspannt an. Nur weil es bei anderen Paaren vielleicht schneller funktioniert, sollten Sie sich davon nicht unnötig unter Druck setzen lassen. Stress und Anspannung sind nämlich regelrechte Stimmungskiller.

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Barbara Ward Barbara Ward ist freie Autorin der Redaktion. Sie studierte Medienwissenschaften und Journalismus in Köln und Berlin. In Gesundheitsfragen kennt sie sich aus, denn sie schreibt schon seit vielen Jahren für Fachverlage, Medizin-Websites und Krankenversicherungen. Eine ausgewogene Perspektive und fundierte Recherche liegen ihr im Sinne der Leser besonders am Herzen. Barbara Ward Autorin kanyo® mehr erfahren
Jan Zimmermann Egal ob Video, Foto oder Text – Hauptsache die Kreativität kommt nicht zu kurz. Noch während seines Masterstudiums der Medienwissenschaften und der Arbeit als Multimedia Content Creator in München, entwickelte Jan Zimmermann eine Passion für das Schreiben. Seit 2018 lebt er diese als Medizinredakteur bei kanyo® aus. Jan Zimmermann Medizinredakteur und Medienwissenschaftler kanyo® mehr erfahren
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