Wie entsteht Verstopfung bei schwangeren Frauen?

Der Grund für das häufige Auftreten von Verstopfung bei schwangeren Frauen ist in erster Linie die Hormonumstellung: Während der Schwangerschaft schüttet der Körper vermehrt die Hormone Progesteron und Relaxin aus. Letzteres sorgt etwa dafür, dass Bänder, Sehnen und Muskeln lockerer und geschmeidiger werden. Das ist wichtig, damit im Körper der werdenden Mutter ausreichend Platz für das heranwachsende Baby geschaffen wird. Außerdem weitet sich dadurch das Becken, was die spätere Geburt vereinfacht.

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Was ist eine Verstopfung?
Von Verstopfung (medizinisch Obstipation genannt) ist die Rede, wenn eine Darmentleerung weniger als zweimal pro Woche und mit starkem Pressen stattfindet, und der Stuhl dabei ungewöhnlich hart ist.1 Die Folge ist Unwohlsein, Spannungen oder sogar Schmerzen im Unterbauch.

Neben Relaxin hat auch Progesteron den Nebeneffekt, dass sich die Darmmuskulatur entspannt und die Darmbeweglichkeit verlangsamt wird. Die Passage- oder Transitzeit, die die Nahrung durch den Verdauungstrakt bis zum Darmausgang braucht, verlängert sich dadurch. So verbleibt der Stuhl über einen größeren Zeitraum im Körper, sodass ihm im Darm mehr Wasser entzogen wird.  

Zu den weiteren Faktoren, die eine Verstopfung begünstigen, zählen 

  • Bewegungsmangel, 
  • Druck von Gebärmutter und heranwachsendem Baby auf den Darm, 
  • veränderte Ernährungsgewohnheiten (etwa besonders ballaststoffarm) und  
  • zu geringe Flüssigkeitsaufnahme. 

Verstopfung ist außerdem eine typische Nebenwirkung von Eisenpräparaten, die viele schwangere Frauen mit Blutarmut (Anämie) einnehmen. Ebenso gelten psychische Aspekte, wie etwa Stress oder Ängste der werdenden Mutter, als mögliche Ursachen für Verstopfungen.

Ist eine Verstopfung in der Schwangerschaft gefährlich?

Zwar ist eine Verstopfung nicht gerade angenehm — in den meisten Fällen ist sie allerdings ungefährlich. Vorsichtig sollten Sie jedoch beim Stuhlgang sein, da übermäßiges Pressen unter anderem zu einem Hämorrhoidalleiden führen kann. Bei Hämorrhoiden handelt es sich um Blutgefäße, die den After abdichten und normalerweise von außen nicht zu sehen sind. Starkes Pressen — beispielsweise bedingt durch eine Verstopfung — kann zu Schwellungen oder Erweiterungen der Gefäßpolster (Schwellkörper) im Bereich des Afters führen. Die Blutgefäße sind in der Folge von außen als weiche Erhebungen rund um den After sicht- und tastbar. Sie können sich entzünden, Schmerz und Juckreiz auslösen.

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Was tun gegen Verstopfung in der Schwangerschaft?


In der Regel können die Beschwerden einer Verstopfung ohne Medikamente innerhalb weniger Tage gelöst werden. Gerade in der Schwangerschaft sollte auf viele Präparate nach Möglichkeit ohnehin weitestgehend verzichtet werden. Daher sind auch Abführmittel ausschließlich bei sehr starker Verstopfung und nur möglichst kurzfristig einzusetzen. Ihr behandelnder Frauenarzt ist dabei unbedingt vorher zurate zu ziehen. Insbesondere sollten Sie auch dann zum Arzt gehen, wenn die Beschwerden mit starken Schmerzen verbunden sind oder etwa über mehrere Tage anhalten.

Folgende Maßnahmen haben sich gegen die Verstopfung bewährt: 

  • regelmäßige Bewegung 
  • viel Flüssigkeit trinken (etwa 1,5 Liter am Tag)2 
  • Wärme (etwa Wärmflasche auf dem Bauch) 
  • sanfte Bauchmassage 
  • Entspannung (beispielsweise autogenes Training, Yoga) 

Mit einem sogenannten Klistierball oder Irrigator ist es zudem möglich, einen Einlauf selbst zu machen und auf diesem Weg eine Verstopfung zu lösen. Dabei wird lauwarmes Wasser über den After in den Darm gegeben, um den Stuhldrang in Gang zu setzen. Informieren Sie sich hierzu in der Apotheke oder bei Ihrem Allgemeinarzt.

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Verstopfung in der Schwangerschaft vorbeugen


Um es gar nicht erst zu einer Verstopfung kommen zu lassen, gibt es eine Reihe verschiedener Möglichkeiten, um den Beschwerden vorzubeugen: 

  • keine verdauungshemmende Nahrung (Bananen, Schokolade, Weißmehlprodukte) 
  • keine blähende Kost (Hülsenfrüchte oder Kohl) 
  • ballaststoffreiche Ernährung 

Zu einer ballaststoffreichen Ernährung zählen etwa Vollkornprodukte wie Haferflocken. Weitere Lebensmittel mit vielen Ballaststoffen sind beispielsweise: 

  • ungeschältes, rohes Obst und Gemüse (Äpfel, Trauben, Brokkoli oder Gurken) 
  • Müsli (zum Beispiel Bircher Müsli) 
  • Vollkorn-Naturreis 

Sollte dies nicht ausreichen, können Füll- und Quellstoffe den Ballaststoffgehalt der Nahrung weiter erhöhen. Geben Sie beispielsweise Leinsamen oder Weizenkleie in das Essen. Wichtig ist es hierbei, zusätzlich viel Wasser zu trinken. Die Quellstoffe wandern — gemeinsam mit den anderen Ballaststoffen — unverdaut in den Darm, nehmen dort viel Wasser auf und sorgen dafür, dass der Stuhl weicher ist und leichter ausgeschieden wird. Die Verdauung wird somit zusätzlich gefördert. Auch Gewürze wie Fenchelsamen, Anis, Kümmel oder Kurkuma gelten durch die enthaltenen ätherischen Öle als anregend für die Verdauung.  

Viele der hier genannten Aspekte, wirken sich zudem positiv auf die Darmmikrobiota (Mikroorganismen im Darm, auch Darmflora genannt) aus und fördern beispielsweise die Bakterienvielfalt, die für das Immunsystem und die Verdauung wichtig ist. Grundsätzlich ist also zu sagen: Eine intakte Darmflora sorgt für einen gesunden Organismus. Diese Besiedelung im Darm können Sie auch schon während der Schwangerschaft beeinflussen. Neben einer vielseitigen und ausgewogenen Ernährung ist es beispielsweise möglich, Ihre Darmflora mit sogenannten Probiotika (Produkte mit lebenden Mikroorganismen) zu unterstützen.

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Tipp: Toilettenhocker sind nicht nur voll im Trend, sondern vereinfachen den Stuhlgang – besonders bei Verstopfung. Unsere westeuropäische Toilettenhaltung ist für die Entleerung des Darms eigentlich ungeeignet. Statt zu sitzen, sollten wir hocken, sodass ein Winkel von etwa 35 Grad zwischen Rumpf und Oberschenkeln entsteht. Ansonsten wird der Darm durch Muskeln abgeklemmt, was den Stuhlgang erschwert. Abhilfe schafft ein kleiner Hocker vor der Toilette, auf den die Füße abgestellt werden. Der Darm lässt sich so leichter und schneller entleeren.

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Barbara Ward Barbara Ward ist freie Autorin der Redaktion. Sie studierte Medienwissenschaften und Journalismus in Köln und Berlin. In Gesundheitsfragen kennt sie sich aus, denn sie schreibt schon seit vielen Jahren für Fachverlage, Medizin-Websites und Krankenversicherungen. Eine ausgewogene Perspektive und fundierte Recherche liegen ihr im Sinne der Leser besonders am Herzen. Barbara Ward Autorin kanyo® mehr erfahren
Jan Zimmermann Egal ob Video, Foto oder Text – Hauptsache die Kreativität kommt nicht zu kurz. Noch während seines Masterstudiums der Medienwissenschaften und der Arbeit als Multimedia Content Creator in München, entwickelte Jan Zimmermann eine Passion für das Schreiben. Seit 2018 lebt er diese als Medizinredakteur bei kanyo® aus. Jan Zimmermann Medizinredakteur und Medienwissenschaftler kanyo® mehr erfahren
Quellen anzeigen
  • 1Internisten im Netz: Bei Verstopfung lieber zunächst Ernährung umstellen als Abführmittel nehmen. URL: https://www.internisten-im-netz.de/aktuelle-meldungen/aktuell/bei-verstopfung-lieber-zunaechst-ernaehrung-umstellen-als-abfuehrmittel-nehmen.html (05.07.21).
  • 2Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Referenzwerte Wasser. URL: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/wasser/ - Stand (05.07.21).