Die Vorteile einer natürlichen Geburt


Fragt man Mütter nach ihrer Geburtserfahrung, so fallen die Antworten mit Sicherheit sehr unterschiedlich aus. Während die einen von einer Traumgeburt auf natürlichem Weg erzählen, berichten die anderen von ihren schlimmen Erfahrungen. Fakt ist: Wie eine natürliche Geburt abläuft, kann sich leider niemand aussuchen. Es gibt die Möglichkeit, vor der Entbindung einen Geburtsplan mit Wünschen sowie No-Gos zu erstellen und diesen der Klinik oder Hebamme auszuhändigen. Ob alle Vorlieben so eingehalten werden, entscheiden allerdings das Team und der Arzt am Tag der Geburt.

Grundsätzlich sind Entbindungsstationen in der Regel darauf aus, Kinder auf natürlichem Weg auf die Welt zu bringen – denn das gilt als „normale“ Geburt und bietet zahlreiche Vorteile. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Schnellere Erholung: Die Mutter ist nach einer natürlichen Geburt zügig wieder auf den Beinen und kann sich für gewöhnlich sofort ihrem Kind widmen – vorausgesetzt die Entbindung verlief komplikationsfrei.  
  • Ausschüttung von Oxytocin: Bei einer normalen Geburt fördert die Ausschüttung des Hormons Oxytocin unter anderem die Bindung zum Neugeborenen und regt den Milchfluss an, was das Stillen erleichtert.  
  • Emotionale Erfahrung: Eine Mutter hat nach einer natürlichen Entbindung das Gefühl, Enormes geleistet zu haben. Auch das Belohnungssystem des Kindes soll laut Ärzten durch den beschwerlichen Weg aktiviert werden. Ebenso erfolgt das „Bonding“ – also der Hautkontakt von Mama und Neugeborenem – direkt nach der Entbindung.  
  • Stärkung des kindlichen Immunsystems: Kinder, die den Weg durch den Geburtskanal auf sich nehmen, kommen mit der mütterlichen Vaginalflora in Kontakt. Dies nimmt mitunter Einfluss auf das Immunsystem des Babys, denn seine Darmmikrobiota (Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm) wird auf diese Weise mit „guten“ Bakterien versorgt. 

Der letzte Punkt ist nicht zu unterschätzen. Kaiserschnittkinder sind nachweislich anfälliger für Infektionen, da ihre Darmmikrobiota weniger stark besiedelt ist, was sich wiederum negativ auf das Immunsystem auswirkt.1 Mütter können die Vielfalt der Mikroorganismen allerdings beeinflussen. So gibt es beispielsweise spezielle Nahrungsergänzungsmittel, die auch in der Stillzeit zulässig sind.  

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Die Nachteile einer natürlichen Geburt


Es gibt immer zwei Seiten – so auch bei der natürlichen Geburt. Nachteile müssen nicht immer auftreten. Es ist aber gut zu wissen, welche es gibt. Zu den möglichen negativen Aspekten einer natürlichen Geburt zählen:

  • Wehenschmerzen: Dieser Punkt lässt sich nicht schönreden – Wehen sind nun mal schmerzhaft. Einziger Wermutstropfen: Sie bahnen sich in der Regel langsam an, wodurch sich die Schwangere darauf vorbereiten kann. Viele Frauen empfinden Wehen als weniger schlimm, wenn sie daran denken, dass es zum einen positive Schmerzen sind (das Ergebnis ist das eigene Kind) und zum anderen diese wieder vergehen. Sind die Beschwerden zu stark, gibt es die Möglichkeit der schmerzstillenden Maßnahmen, wie beispielsweise einer PDA (Periduralanästhesie; eine Form der Regionalanästhesie).  
  • GeburtsverletzungenDammriss, Risse im Schambereich, Blutergüsse – es gibt einige Verletzungen, die während einer Entbindung auftreten können. Für gewöhnlich werden sie direkt im Anschluss medizinisch versorgt. Geburtsverletzungen heilen in der Regel gut ab. In manchen Fällen – zum Beispiel bei einer Steißbeinverletzung – können Schmerzen und Probleme auch noch Wochen nach der Geburt auftreten oder sogar chronisch werden. Mit einer passenden Therapie lassen sich entsprechende Beschwerden aber in der Regel lindern. 
  • Schwacher Beckenboden: Der Beckenboden besteht aus Muskelschichten, die den Bauchraum und die Beckenhöhle von unten abschließen. Durch Anspannen des Beckenbodens unterstützt er zum Beispiel den Schließmuskel der Harnröhre oder wirkt auch starkem Druck, etwa beim Niesen oder Springen, entgegen. Durch eine Geburt kann er geschwächt sein, sodass als Folge Harninkontinenz auftritt. Mit gezieltem und regelmäßigem Training (Rückbildungsgymnastik) lässt sich solchen Beschwerden aber entgegenwirken. 
  • Traumata: Nicht jede vaginale Geburt verläuft komplikationslos. Manchmal werden deswegen Geburtspläne bewusst ignoriert und Notkaiserschnitte eingeleitet. Unter Umständen lösen solche Vorfälle und zusätzlichen Schmerzen bei der Mutter ein Trauma aus. Eltern müssen sich immer vor Augen halten, dass Hebammen und Ärzte stets versuchen, das Leben von Mutter und Kind zu schützen. Vielleicht sind dann bestimmte Handlungen und Ereignisse besser nachvollziehbar. Betroffene Mütter haben die Möglichkeit, sich nach einer traumatischen Geburt psychologisch betreuen zu lassen.  

Schwangeren, die Angst vor einer natürlichen Geburt haben, sei gesagt: Der Körper weiß ganz genau, was er zu tun hat. Im Grunde läuft alles „wie von selbst“, Sie müssen ihn nur unterstützen. Und für alle Fälle ist immer eine Hebamme oder ein Arzt zur Stelle, um bei Komplikationen zu helfen. 

Notkaiserschnitt – wenn die Vorstellung einer natürlichen Geburt platzt:

Viele Schwangere befürchten, dass eine natürliche Geburt in einen vermeintlichen Notkaiserschnitt geleitet wird – obwohl sie das nicht möchten. Einige Gebärende haben im Nachhinein sogar Probleme, eine solche Situation zu verarbeiten. Hier ist wichtig zu wissen: Ein Notkaiserschnitt erfolgt nur dann, wenn der Arzt der Meinung ist, dass das Leben von Baby und/oder Mutter bedroht ist. Somit kommt es vor, dass die Geburt – ohne große Diskussion mit den Eltern – in den OP-Saal verlegt wird. Doch warum gibt es keine Möglichkeit zum Nachdenken oder um sich psychisch darauf vorzubereiten? Die Antwort ist relativ einfach: Dafür bleibt keine Zeit! Die Bundesgeschäftsstelle-Qualitätssicherung (BQS) gibt vor, dass vom Zeitpunkt der Entscheidung für einen Notkaiserschnitt bis zur Entbindung des Kindes maximal 20 Minuten vergehen dürfen.2 Somit kann eine Bedenkzeit unter Umständen kritisch oder sogar lebensgefährlich für Mutter und Kind werden.

Der Kaiserschnitt und seine Vorteile


Grundsätzlich ist bei einem Kaiserschnitt die Unterscheidung zwischen einem Notkaiserschnitt und einem geplanten Wunschkaiserschnitt wichtig. Ein Notkaiserschnitt ist meist eine lebenswichtige Entscheidung, die das Ärzteteam aufgrund von Komplikationen bei einer natürlichen Geburt trifft. Für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden sich Eltern aktiv – meist Tage oder sogar Wochen vor der Geburt. Sie wissen somit genau, an welchem Tag das Kind zur Welt kommt und können sich darauf einstellen. Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt gibt es einige, zum Beispiel, wenn das Kind quer im Bauch liegt oder vorangegangene Operationen der Gebärmutter zu Schwierigkeiten bei der Geburt führen könnten. Der Gynäkologe entscheidet hier, ob ein geplanter Kaiserschnitt nötig ist. Aber auch die Angst vor Wehenschmerzen bringt Mütter dazu, sich für einen Kaiserschnitt zu entscheiden. Diese Angst darf nicht heruntergespielt werden. Wichtig ist dennoch eine umfassende Aufklärung durch einen Arzt der Geburtsklinik.

Neben dem Vermeiden von Wehenschmerzen gibt es einige weitere Vorteile, die der geplante Kaiserschnitt mit sich bringt. Dazu zählen: 

  • Geringes Risiko für Komplikationen beim Baby: Bestimmte Gefahren, wie beispielsweise ein akuter Sauerstoffmangel während der Geburt, können bei einem Kaiserschnitt in der Regel vermieden werden.  
  • Planbarkeit: Durch den im Vorfeld festgelegten Operationstag lässt sich sicherstellen, dass Begleitpersonen – zum Beispiel Väter, die in einer anderen Stadt arbeiten oder viel reisen müssen – pünktlich bei der Geburt anwesend sind.  
  • Vermeidung von Dammrissen und Beckenbodenproblemen: Da das Baby nicht durch den Geburtskanal hinausgelangt, werden typische Verletzungen oder mögliche Folgebeschwerden wie Harninkontinenz für gewöhnlich vermieden.  
  • Unversehrter Intimbereich: Dieser bleibt bei einem Kaiserschnitt in seiner alten Form, sodass etwa anfängliche Schwierigkeiten mit der Sexualität ausbleiben.  
  • Verhinderung von Traumata: Sowohl die Schwangere als auch der Vater stellen sich auf die Art der Geburt ein, was den Vorteil hat, dass es meist keine Überraschungen oder ungewollten Maßnahmen bei der Entbindung gibt. Psychische Folgen aufgrund einer stressigen Geburt oder eines ungewollten Ablaufs bleiben für gewöhnlich dann aus. 
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Statistik: So hoch ist der Kaiserschnittanteil

Die beschriebenen Vorteile mögen unter anderem der Grund sein, warum die Kaiserschnittrate in Deutschland in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist.3 Diese lag 2019 hierzulande bei 29,6 %.4 Somit kommt rund ein Drittel aller Kinder per Sectio caesarea auf die Welt. In der Statistik wird außerdem die Geburt mithilfe einer Saugglocke (5,9 %) und Geburtszange (0,3%) aufgeführt.4 Auch diese Art der Entbindung erfolgt nur bei medizinischer Notwendigkeit. Der Rest der Kinder und Mütter erlebte eine natürliche Geburt.

Die Nachteile eines Kaiserschnitts


Nichtsdestotrotz ist ein geplanter Kaiserschnitt eine Operation – also ein Fremdeingriff in den Körper. Aus diesem Grund versuchen Ärzte weiterhin unnötige Kaiserschnitte zu vermeiden. Zu den weiteren Nachtteilen einer Sectio gehören: 

  • Operationswunde: Ohne Schmerzen kommt auch diese Entbindungsart nich aus. Die entstandene Wunde wird zwar klein gehalten, verläuft dennoch durch mehrere Gewebsschichten. Das bedeutet, dass die Heilung nach einem Kaiserschnitt viel Zeit in Anspruch nimmt. Auch hier kann es zu Komplikationen (etwa Infektionen) oder zur schlechten Abheilung der Narbe kommen. 
  • Verlängerter Krankenhausaufenthalt: Frauen bleiben nach einem Kaiserschnitt für gewöhnlich länger im Krankenhaus als nach einer vaginalen Geburt – und zwar rund eine Woche.5 Auch nach der Entlassung aus der Klinik sind sie meist auf fremde Hilfe angewiesen.  
  • Atemschwierigkeiten beim Baby: Bei einer natürlichen Geburt wird das Furchtwasser auf dem Weg durch den Geburtskanal aus den Lungen des Kindes hinausgepresst. Dies geschieht bei einer Sectio nicht. Die Ärzte müssen es nach der Entbindung absaugen, wobei Reste bestehen bleiben und zu Atemproblemen führen können. 
  • Verzögerter Milcheinschuss: Dieser verschiebt sich nach einem Kaiserschnitt etwas. Normalerweise schießt die reife Milch – im Anschluss an die Vormilch (Kolostrum) – einen Tag später ein als bei einer normalen Geburt – also am 4. statt am 3. Tag nach Entbindung.6  
  • Schwächeres Immunsystem: Experten zufolge leiden Kinder, die per Sectio zur Welt kamen, häufiger an chronischen, das Immunsystem betreffenden Krankheiten wie beispielsweise Erkältungen.1 Das liegt am fehlenden Kontakt mit der mütterlichen Keimflora im Geburtskanal. Die Darmmikrobiota eines Kaiserschnittkindes erhält somit weniger „gute“ Bakterien.  

Mütter, die sich einen geplanten Kaiserschnitt wünschen, können dennoch das Immunsystem des Kindes fördern. Spezielle Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke beispielsweise enthalten wertvolle Bakterienstämme, die in der Lage sind, die kindliche Darmflora und damit die Gesundheit positiv zu beeinflussen. Diese Präparate nimmt entweder die Mutter bereits ab dem letzten Trimester sowie während der Stillzeit ein oder aber das Baby in seiner Flaschennahrung.

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Fazit: Kaiserschnitt oder normale Geburt – was ist besser?

Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Auch, wenn Ärzte zu einer natürlichen Geburt raten, entscheidet am Ende nur die Mutter selbst. Hilfreich ist mit Sicherheit ein Geburtsvorbereitungskurs, in dem die Frauen den Geburtsvorgang kennenlernen. Entgegen der ersten Annahme ist das ein guter Weg, um die vaginale Geburt zu verstehen sowie Vor- und Nachteile eines Kaiserschnitts besser nachzuvollziehen.

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Monika Hortig Die ersten Artikel schrieb Monika Hortig in ihrem Kinderzimmer und speicherte sie noch auf Diskette. Dass sie eines Tages Redakteurin werden möchte, wusste sie schon sehr lange. Deswegen zog es sie nach ihrem Studium in die Münchener Verlagswelt. Nach diversen Praktika in Online-Redaktionen absolvierte sie ihr Volontariat bei verschiedenen Lifestyle-Magazinen – unter anderem mit Schwerpunkt Sport und Ernährung. Das steigende Interesse für medizinische Themen führte sie letztendlich zu kanyo®. Als Medizinredakteurin kann sie hier ihre beiden Vorlieben – Online-Journalismus und Gesundheit – vereinen. Monika Hortig Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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