Windpocken beim Baby: Was ist zu tun?

Die Windpocken beginnen bei Babys und Kleinkindern meist harmlos: Die kleinen Patienten werden schlapp und fiebrig. Dann folgt jedoch der typische Hautausschlag, der mit einem unangenehmen Juckreiz einhergeht. An der hochansteckenden Virusinfektion erkranken im Kindesalter fast 90 Prozent der Deutschen.

Alles Wichtige über Windpocken bei Babys

Die Windpocken gehören zu den klassischen Kinderkrankheiten. Denn wer die Krankheit einmal durchgestanden hat, ist den Rest seines Lebens immun. Ausgelöst wird die Erkrankung durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV). Das Virus gehört zu den Herpesviren und ist auf der ganzen Welt verbreitet.

Windpocken sind unter sehr vielen Namen bekannt. Darunter folgende:

  • Wasserpocken
  • Varizellen
  • Spitzblattern
  • Spitze Blattern
  • Wilde Blattern
  • Feuchtblattern und Schafplattern (in Österreich)

Windpocken sind sehr ansteckend. Daher auch ihr Name: Pocken, die mit dem Wind übertragen werden. Denn die Viren können einige Meter weit „fliegen“ und überleben auch in der Luft. Dadurch kann man sich bereits anstecken, wenn man sich mit einer erkrankten Person eine Zeit lang im gleichen Zimmer aufhält, ohne ihr sehr nah zu kommen.

Windpocken: Symptome der Varizellen

Ein Junge mit Windpocken bekommt Medizin.

Windpocken beginnen wie eine Grippe: Das Kind fühlt sich schlapp und kränklich. Viele Kinder entwickeln ein leichtes Fieber. Erst danach zeigt sich das signifikanteste Symptom der Windpocken: der typische Hautausschlag. In der Regel tritt er zwei bis drei Wochen nach Ansteckung auf.

  • In der ersten Phase entstehen am Kopf beziehungsweise am Oberkörper hellrote, kleine Knoten auf der Haut.
  • Diese breiten sich nach und nach auf dem gesamten Körper aus.
  • Innerhalb von Stunden verändert sich der Ausschlag: Die Knötchen werden zu Blasen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind.
  • Einige Tage später brechen die Blasen ganz von alleine auf, sodass sie austrocknen und abheilen können.

Typisch für Windpocken ist, dass die kleinen Patienten den Ausschlag in seinen verschiedenen Stadien gleichzeitig auf der Haut entwickeln. Man spricht dann vom sogenannten Sternenhimmelmuster.

Diagnose: Hat mein Baby Windpocken?

Windpocken sind von Scharlach, Röteln oder Masern leicht zu unterscheiden. Zwar tritt auch bei diesen Kinderkrankheiten ein roter Hautausschlag auf, sie verursachen jedoch keine Bläschen.

Behandlung von Windpocken

Am wichtigsten ist es, den Juckreiz zu lindern. Denn wenn die Kinder die Bläschen aufkratzen, können eitrige Entzündungen folgen. Gegen den Juckreiz verschreibt der Kinderarzt in der Regel Puder oder Lotion.

Nach einem anfänglichen Unwohlsein fühlen sich viele Babys und Kleinkinder während einer Windpocken-Infektion gar nicht richtig krank. Bettruhe ist daher meist nicht nötig. Trotzdem dürfen die Kinder den Kindergarten oder die Kindertagesstätte nicht besuchen. Denn Windpocken sind bis zur Verkrustung aller Bläschen weiterhin ansteckend. Das dauert in der Regel zehn Tage.

Was Eltern darüber hinaus tun können, um Windpocken zu behandeln:

  • Kurze Fingernägel vermindern das Risiko, dass das Kind sich die Bläschen aufkratzt.
  • Dünne Handschuhe sorgen ebenfalls dafür, dass die kleinen Patienten nicht so viel kratzen.
  • Kamillentee nimmt den Juckreiz. Einfach die Bläschen damit betupfen.
  • Schweiß verstärkt den Juckreiz. Erkrankte Kinder sollten daher luftige Kleidung tragen.

Üblicherweise ist man ein Leben lang immun, wenn eine Windpocken-Infektion im Kindesalter vorlag. Allerdings besteht das Risiko, dass das im Körper verbleibende Virus später noch einmal ausbricht und zu einer Gürtelrose führt.

Windpocken in der Schwangerschaft

Windpocken treten nur sehr selten in der Schwangerschaft auf, weil die meisten Frauen im gebärfähigen Alter durch eine Ersterkrankung im Kindesalter immun dagegen sind.

Erkrankt eine schwangere Frau dennoch an den Windpocken, kann die Infektion insbesondere in den ersten fünf Monaten der Schwangerschaft zu schweren Entwicklungsstörungen bei dem ungeborenen Kind führen. Auch eine Fehlgeburt ist als Folge einer Windpockeninfektion in der Schwangerschaft möglich.

Leidet die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt unter Windpocken, kann sich das Baby sehr leicht anstecken. Bei Neugeborenen, die keinerlei Immunabwehr haben, kann die Krankheit tödlich verlaufen.

Impfung gegen Windpocken

Schon seit 2004 rät die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) dazu, Kinder im zweiten Lebensjahr gegen Windpocken zu impfen, genauer gesagt zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat.

In Deutschland gibt es ein Präparat, mit dem zeitgleich gegen Mumps, Masern, Röteln und Varizellen, also Windpocken, geimpft werden kann. Die STIKO rät seit 2012 jedoch dazu, nicht die Vierfachimpfung zu verwenden. Stattdessen sollte die Varizellen-Impfung zwar gleichzeitig, aber mit einem eigenen Präparat an einer anderen Körperstelle verabreicht werden. Dies mindert das Risiko eines Fieberkrampfes nach der Impfung.

Die zweite Impfung gegen Windpocken sollte dann zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat folgen.

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