Einleitung der Geburt: Gründe, Ursachen und Ablauf

Der errechnete Entbindungstermin ist längst überschritten und das Baby lässt weiterhin auf sich warten? Ab einem gewissen Punkt raten Ärzte zu einer medikamentösen Einleitung der Geburt. Es gibt aber auch noch andere Gründe, die durchaus dafürsprechen, die Wehen einzuleiten. Welche das sind und wie genau eine eingeleitete Geburt dann abläuft, lesen Sie hier.

Frau wartet auf die Einleitung der Geburt.

Einleitung der Geburt: Was spricht dafür?

Begriffsklärung: Was bedeutet „Geburt einleiten“?
Die Einleitung der Geburt bedeutet, dass die Wehen durch die Gabe von Medikamenten in Gang gesetzt werden. Die Entbindung folgt danach – soweit wie möglich – ihrem natürlichen Ablauf.

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen bei Frauenarzt oder Hebamme wird für jede Schwangerschaft der voraussichtliche Entbindungstermin (kurz: ET) festgelegt. Allerdings kommen nur etwa drei bis fünf Prozent der Kinder tatsächlich an diesem Tag zur Welt.1 Der überwiegende Teil wird in den zehn Tagen vor oder nach dem zuvor festgelegten Zeitpunkt geboren.1

Ist der ET überschritten, werden die Mütter engmaschig betreut. Stellt der Arzt beispielsweise fest, dass die Plazenta das Baby nicht mehr ausreichend versorgt oder nicht mehr genug Fruchtwasser vorhanden ist, rät er zur Einleitung der Geburt.

Wenn keine Komplikationen vorliegen, kann noch etwas abgewartet werden, allerdings wird in Deutschland üblicherweise circa 10 bis 14 Tage nach dem Entbindungstermin die Geburt künstlich eingeleitet.2

Übrigens: In vielen Fällen wünschen sich die werdenden Mütter selbst, dass eine Einleitung der Geburt vorgenommen wird, weil sie nicht länger auf das Baby warten möchten. Ob das wirklich sinnvoll ist, entscheidet dann der Arzt. Generell ist die Terminüberschreitung jedoch der häufigste Grund dafür, eine Geburt einzuleiten.

Weitere Gründe für die Einleitung der Geburt

Ursachen, die ein Risiko für das Kind darstellen:

  • Ein vorzeitiger Blasensprung, ohne dass Wehen eintreten, denn dadurch erhöht sich das Infektionsrisiko.
  • Plazentainsuffizienz, bei der das Kind nicht mehr optimal mit Sauerstoff versorgt wird.
  • Das Kind ist schon vor der 38. Schwangerschaftswoche sehr groß.3

Ursachen, die ein Risiko für die Mutter darstellen:

  • Wenn die Frau ein hohes Alter aufweist (ab 40 Jahren).4
  • Kind oder Mutter sind erkrankt.
  • Die Mutter hat starke Schwangerschaftsbeschwerden wie starkes Ziehen im Unterleib oder ständiges Erbrechen.

Wie wird die Geburt eingeleitet?

Wenn die Entscheidung getroffen wurde, dass die Wehen eingeleitet werden sollen, folgt der Ablauf meist folgendem Schema:

  • Zunächst beurteilt der Arzt den Reifegrad des Muttermundes: Ist er noch sehr fest, wird Prostaglandin als Gel in die Scheide eingeführt oder die Frau nimmt entsprechende Tabletten ein. Das Hormon macht den Muttermund weicher, sodass er sich besser öffnen kann.
  • Normalerweise setzen bereits einige Stunden später Wehen ein. Hat die Geburt nach sechs Stunden noch nicht begonnen, wird die Behandlung wiederholt.4
  • Treten trotz Geburtseinleitung über zwei Tage hinweg keine Wehen ein, kann ein Kaiserschnitt notwendig werden.4

Ist der Muttermund bereits weich und damit reif genug, sich zu öffnen, verzichtet der Arzt auf die Einführung von Prostaglandin. In diesem Fall verabreicht er stattdessen eine Oxytocin-Infusion (Wehentropf). Die Wehen setzen damit meist recht zügig ein.

Medikamente bei einer Geburtseinleitung

Das Geburtsteam ist stark darauf bedacht, die Medikamente so zu dosieren, dass sich die künstlich eingeleitete Entbindung möglichst nicht von einer Spontangeburt unterscheidet. Allerdings berichten Frauen, deren Kinder unter Geburtseinleitung zur Welt kamen, von sehr intensiven Geburtsschmerzen und starken Wehen.5 Weitere wehenfördernde Maßnahmen und medizinische Interventionen wie Schmerzmittel kommen bei eingeleiteten Geburten häufiger zum Einsatz als bei natürlichen.

Eine typische Nebenwirkung bei einer Einleitung der Geburt, ist ein sogenannter Wehensturm. Gemeint sind sehr starke und übermäßig häufige Wehen, die nicht nur die Mutter beanspruchen, sondern auch das Kind unter Stress setzen können.

Natürliche Wehenauslöser zur Einleitung der Geburt

Schwangere Frauen, deren Babys es nicht eilig haben, können einige alternative Methoden ausprobieren, um die Wehen und die Geburt natürlich einzuleiten:

  • Beispielsweise wird im Rahmen der geburtsvorbereitenden Akupunktur ein Wehen auslösender Punkt stimuliert. Die Behandlung zeigt bei vielen Frauen Wirkung.
  • Auch Geschlechtsverkehr wird rund um den Entbindungstermin empfohlen. Jedoch ist noch unbekannt, ob sich das im Sperma natürlicherweise vorkommende Prostaglandin wehenfördernd auswirkt oder die Kontraktion der Gebärmutter beim Orgasmus.

Tipp: Werden die Brustwarzen stimuliert, produziert der weibliche Körper übrigens ganz natürlich das im Wehentropf enthaltene Oxytocin.

Vorsicht vor Treppensteigen und Wehencocktail zur Einleitung der Geburt

Früher riet man Schwangeren, die Geburt durch Treppensteigen anzukurbeln. Bewegung wird zwar auch heute empfohlen, um Wehen einzuleiten, allerdings sind allzu anstrengende Aktivitäten wie Treppensteigen eine umstrittene Maßnahme. Schließlich benötigt die werdende Mutter für die anstehende Geburt viel Energie, die nicht schon vorab verbraucht werden sollte. Ein moderater Spaziergang ist daher besser zum Wehen einleiten geeignet.

Vorsicht:
Von Abführmitteln und einem sogenannten Wehencocktail (ein Mix aus Rizinusöl, Schnaps und einigen anderen Zutaten) sollte man absehen. Ist der Muttermund noch nicht reif, können dadurch Krämpfe entstehen.

Solche Vorhaben zur Einleitung der Geburt sollten stets vorab mit Hebamme oder Frauenarzt besprochen werden. Bei Anordnung eines Wehencocktails stellt der Konsum von Alkohol eine absolute Ausnahme dar.

Versuchen Sie es stattdessen doch mal mit Zimt, Ingwer oder Nelke. Diese Aromen sind unschädlich für Schwangere kurz vor der Entbindung. Als Massage- oder Badeöl wirken sie entspannend sowie wehenfördernd und können so dazu beitragen, die Geburt einzuleiten.

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1Geist, Christine/ Harder, Ulrike/ Stiefel, Andrea: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Stuttgart: Hippokrates: 2017. S.322.
2Uniklinik Freiburg: Wenn das Warten kein Ende nimmt. URL: https://www.uniklinik-freiburg.de/nc/presse/publikationen/im-fokus/detailansicht/presse/186.html (14.09.2018).
3Speculum: Geburtseinleitung und vaginale Geburt bei Zustand nach Sectio. URL:https://www.kup.at/kup/pdf/6804.pdf (14.09.2018).
4Geburtseinleitung: Probleme unter der Geburt. URL: https://www.geburtshilfe.usz.ch/fachwissen/broschueren-der-klinik/Documents/Neues%20Handbuchkapitel%209-1%20Geburtseinleitung.pdf (14.09.2018).
5Hebammenblog: Geburtseinleitung: ja oder nein? URL: https://www.hebammenblog.de/geburtseinleitung/ (12.09.2018).