So verläuft die Sprachentwicklung beim Baby

In seinen ersten beiden Lebensjahren ist das Baby in erster Linie auf Körpersprache angewiesen. Es kann zwar Schreien und damit Unbehagen oder Missfallen ausdrücken, abgesehen davon findet aber keine verbale Kommunikation statt. Erst wenn das Baby sprechen lernt, gewinnen Worte an Bedeutung.

Die Wörter, die die Eltern zu ihrem Kind sagen, sind für das Kind lange Zeit bedeutungslos. Wichtiger sind die Tonlage und der Ausdruck. Das Baby selbst kommuniziert über Bewegungen, Gesten und Mimik. Die Körpersprache ist in den ersten Lebensjahren eines Kindes die wichtigste Säule der Kommunikation. Auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind basiert überwiegend darauf. Selbst wenn das Baby sprechen lernt, bleiben Ausdruck und Kontext immer noch von großer Bedeutung für das Verständnis des Kindes.

Schreien als Kommunikation

Solange das Baby nicht sprechen kann, ist Schreien die einzige Form der verbalen Kommunikation. In den ersten Wochen ist das Schreien eines Babys stark an den Grundbedürfnissen orientiert. Das Baby schreit,

  • wenn es Hunger hat,
  • müde ist oder
  • Bauchschmerzen hat.

Allerdings sind gerade Säuglinge von den vielen neuen Erfahrungen so überreizt, dass sie auch völlig unspezifisch weinen. Nach drei Monaten lässt dies jedoch nach, die meisten Babys schreien dann deutlich weniger.

Sprachentwicklung weltweit: Alle Babys glucksen gleich

Auch wenn das Baby selber noch nicht sprechen kann, hat es großes Interesse an Sprache. Bereits nach wenigen Wochen kann es freundliche und wütende Stimmen unterscheiden.

Nach dem ersten Lebensmonat kann ein Baby bereits die ersten Laute entwickeln. Oft handelt es sich um lang gezogene Vokale wie “ooooohhh” oder “aaah-aaah”. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Babys auf der ganzen Welt in dieser Phase des Spracherwerbs ähnliche Laute von sich geben – ganz egal, in welchem Kulturkreis sie aufwachsen.

Achtung: Baby hört mit

Vor der Sprache steht das Zuhören: Eine Mutter redet mit ihrem Baby.

Ab etwa sechs Monaten kann ein Baby bestimmten Wörtern eine Bedeutung zuweisen. Es versteht seinen Namen und weiß, wer mit Papa oder Mama gemeint ist. Hinzu kommen bald Gegenstände wie Schnuller oder Flasche. Auch regelmäßige Aktivitäten wie essen, schlafen oder baden versteht das Baby bereits im ersten Lebensjahr. Die meisten Kinder verstehen außerdem kleine Aufgaben wie „Bring mir die Schuhe!“ oder „Wo ist dein Ball?“ bis zum Ende des ersten Lebensjahres.

Grundsätzlich verstehen Kinder zu jedem Zeitpunkt der Sprachentwicklung mehr, als sie selber ausdrücken können.

Sprachentwicklung: Babys kesse Plaudereien

Zwischen dem vierten und sechsten Monat beginnt das Baby sein stimmliches Repertoire zu erweitern. Es verwendet immer mehr Vokale und bildet Lautketten wie oh-oh und ah-ah. Ab dem sechsten Monat kommen vermehrt Konsonanten hinzu. Typische Babyworte in dieser Phase sind ga-ga oder ba-ba-ba.

Ab dem siebten oder achten Lebensmonat beginnen Babys, die Eltern und andere Bezugspersonen nachzuahmen. Die Sprachentwicklung verläuft hier jedoch sehr individuell. Während manche Babys die oft gehörte Anrede ihrer Eltern – Mama und Papa – schon mit zehn Monaten sagen können, brauchen andere länger. Die Hälfte aller Kinder ist mit 12 Monaten so weit. Manche Kinder – häufig Jungen – benötigen bis zum 15. oder 20. Lebensmonat, bis die ersten Worte fallen. Eine Sprachstörung muss nicht befürchtet werden.

Interessant: Grundsätzlich kann man sagen, dass Mädchen mit der Sprachentwicklung etwas schneller sind als Jungen.

Normales Stottern oder eine Sprachstörung?

Zwischen drei und fünf Jahren entwickelt sich ein zunehmend regulärer Sprachgebrauch. Dabei kann es auch zu vermeintlichen Rückschritten kommen. Beispielsweise ist es durchaus normal, dass Kinder in dieser Phase Sprachstörungen wie Stottern entwickeln. Mehr als die Hälfte aller Babys ist davon zeitweise betroffen. Dies ist jedoch kein Grund zur Besorgnis. Gerade Satzbau und Grammatik sind für kleine Sprachlerner eine große Herausforderung. Die Kinder machen zwar viele Fortschritte, sind von den vielen großen Aufgaben, die der Spracherwerb mit sich bringt, aber auch zeitweise überfordert; dann kommt es zum Stottern. Mit der Zeit legt sich dies aber oft von alleine.

Übrigens: Die Wortschatzentwicklung ist mit etwa vier Jahren zumindest grob abgeschlossen; ungefähr 2.000 verschiedene Wörter haben die Kinder bis dahin erlernt.

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