Wichtige Fragen & Anworten zu Durchfall in der Schwangerschaft:

Warum kommt es häufig zu Durchfall in der Frühschwangerschaft?

Viele der Frauen, die erfahren, dass sie schwanger sind, achten verstärkt auf regelmäßige Bewegung und stellen auch ihre Ernährungsgewohnheiten zum Positiven um, indem sie sich beispielsweise ballaststoffreicher ernähren. Infolge der damit verbundenen verstärkten Darmaktivität reagiert der Körper mitunter mit Durchfall in der Frühschwangerschaft.

Welche Ursachen sind noch bei Durchfall in der Schwangerschaft denkbar?

Theoretisch sind alle Auslöser denkbar, die auch auf Nicht-Schwangere zutreffen können. Dazu gehören beispielsweise virale oder bakterielle Infektionen, Stoffwechselerkrankungen, Lebensmittelunverträglichkeiten oder -vergiftungen sowie Stress.

Was können Schwangere bei Durchfall tun?

Wichtig ist, viel zu trinken, um das Flüssigkeitsdefizit auszugleichen und in den ersten Tagen auf leichte Vollkost (früher auch Schonkost genannt) zu setzen. Auch Präparate mit probiotischen Bakterien unterstützen unter Umständen bei Durchfall dabei, die Darmflora wieder aufzubauen. Nach ärztlicher Rücksprache ist bei ausgeprägtem Beschwerdebild auch die Einnahme von akut wirkenden Antidiarrhoika (Durchfallmitteln) denkbar.

Ab wann ist Durchfall in der Schwangerschaft gefährlich?

Bitte suchen Sie bei länger als 2 Tage andauerndem Durchfall einen Arzt auf.1 Ebenso bei blutigen oder schleimigen Stühlen oder wenn der Durchfall von hohem Fieber begleitet wird. Auch starke Schmerzen bedürfen einer zügigen Abklärung.1 Vor allem, wenn die Schmerzen im Bereich des Oberbauchs lokalisiert werden, gilt es folgende lebensgefährliche Erkrankung in der Schwangerschaft auszuschließen: das HELLP-Syndrom. Zum Leitsymptom Oberbauchschmerzen können in diesem Fall auch Durchfall oder Übelkeit und Erbrechen kommen. 

Mögliche Ursachen für Durchfall in der Schwangerschaft im Überblick


Laut gängiger Definition handelt es sich um Durchfall (Diarrhö), wenn innerhalb von 24 Stunden mindestens 3 weiche oder flüssige Stühle auftreten.2 Für Durchfall kommen viele verschiedene Ursachen beziehungsweise Ereignisse infrage, beispielsweise:

  • plötzlicher Umstieg auf eine gesundheitsbewusstere Ernährung, um das Kind gut zu versorgen (Ballaststoffe in Vollkornprodukten, Obst und Gemüse können vorübergehend  Durchfall auslösen)  
  • Stress, Aufregung (da die neue Situation noch ungewohnt und von vielen intensiven Gefühlen begleitet ist) 
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit (beispielsweise Laktoseintoleranz) 
  • Lebensmittelinfektion (etwa Listeriose oder Salmonellose) 
  • virale Infektion (zum Beispiel Noro-, Adeno-, Rotaviren) 
  • bakterielle Infektion (wie Campylobacter, Shigellen) 
  • parasitäre Infektion (etwa mit Giardia lamblia, Amöben) 
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) 
  • Stoffwechselerkrankung (beispielsweise Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus Typ 1) 
  • Reizdarmsyndrom, übliche Symptome sind hier Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen 
  • als Reaktion des Körpers auf Medikamenteneinnahme, zum Beispiel 
    • Antibiotika; meist Unverträglichkeit kombiniert mit Störung der Darmflora (Mikrobiom) 
    • Antidiabetika zur Behandlung des Diabetes mellitus 

Tritt der Durchfall gegen Schwangerschaftsende auf, kann dies ein Anzeichen für die bevorstehende Geburt sein. Übungswehen regen auch die Darmbewegung an, mit häufigem Stuhlgang oder leichtem Durchfall als Folge. 

Sie sehen: Das Spektrum an möglichen Ursachen für wässrigen Stuhl in der Schwangerschaft ist enorm. Bitte zögern Sie nicht, bei Unsicherheiten, starken und/oder anhaltenden Beschwerden zügig einen Arzt aufzusuchen, um mittels diagnostischer Verfahren wie einer mikrobiellen Stuhluntersuchung und der Kontrolle des Blutbilds die genaue Ursache der Beschwerden herauszufinden und eine zielgerichtete Behandlung einleiten zu können. Als wichtiger Laborwert gilt beispielsweise der Entzündungsparameter CRP (C-reaktives Protein). Ein erhöhter Spiegel im Blut deutet auf eine Infektion hin. 

Durchfall kommt selten allein ... weitere Symptome


Häufig geht Durchfall mit weiteren Beschwerden einher, wie Bauchkrämpfen, Fieber, einem schlechten Allgemeinbefinden, Appetitlosigkeit sowie Erbrechen.

HELLP-Syndrom – große Gefahr für Mutter und Kind

Das HELLP-Syndrom ist eine äußerst schwere und lebensbedrohliche Erkrankung in der Schwangerschaft, bei der die Leberfunktion und Blutgerinnung gestört sind. Typisch dafür sind vor allem starke Oberbauchschmerzen (überwiegend unter dem rechten Rippenbogen), zu denen zusätzlich häufig Übelkeit und Erbrechen oder Durchfall kommt. Bemerken Sie diese Symptome, machen Sie sich bitte unverzüglich auf den Weg in eine größere Klinik, am besten in ein Perinatalzentrum. Hier können sowohl Mutter als auch Baby optimal versorgt werden.

Behandlung: Starkem Wasser- und Elektrolytverlust entgegenwirken


Die dringendste Schwangerschaftskomplikation bei Durchfall besteht in einer – teilweise enormen – Wasser- und Elektrolytabgabe. Der Körper verliert durch die häufigen und wässrigen Stuhlgänge Wasser und Salze, beides muss rasch zugeführt werden.  

Daher heißt es: Viel trinken. Gut geeignet sind stilles Wasser, Kamillen- oder Fencheltee, Apfelsaft oder mit heißem Wasser zubereiteter Kakao. 

Zur Aufrechthaltung des Elektrolythaushaltes haben sich Elektrolytlösungen bewährt. Besteht keine Möglichkeit, eine Apotheke zum Kauf dieser aufzusuchen, lässt sich eine Trinklösung auch selbst herstellen. Mischen Sie dazu 8 gestrichene Teelöffel Haushaltszucker (noch besser: Traubenzucker), einen ¾ Teelöffel Kochsalz und 1 Liter Mineralwasser.3 Auch Salzstangen, Zwieback, Knäckebrot und eine warme Bouillon können hilfreich sein, den Elektrolythaushalt wieder ins Lot zu bringen. 

Bei sehr starkem Durchfall kann eine parenterale Rehydratation notwendig sein, sprich Infusionen. Diese werden in der Regel im Krankenhaus durchgeführt.

Was hilft Schwangeren noch bei Durchfall?


Im Grunde unterscheiden sich die Möglichkeiten für Schwangere, die an sehr wässrigen Stuhlgängen leiden, nicht allzu sehr von den Optionen für nicht schwangere Frauen (ausgenommen der Medikamente). Folgende Maßnahmen helfen unter Umständen den Durchfall zu lindern. 

Probiotische Bakterien bei Durchfall

Wenn Sie mögen, können Sie auf sogenannte Probiotika (hochaktive Bakterienstämmen) setzen, um der angegriffenen Darmschleimhaut bei ihrer Regeneration zu helfen. Probiotika sollen in der Lage sein, neben der Stuhlfrequenz auch die Stuhlkonsistenz zu normalisieren. 

Übrigens: Probiotischen Bakterien wird zudem eine vorbeugende beziehungsweise abschwächende Wirkung bei antibiotikaassoziiertem Durchfall zugeschrieben. Dies ist jedoch zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.4 

Hausmittel gegen Durchfall

Wenn Sie Appetit haben, sollten Sie versuchen, die Ernährung Schritt für Schritt wieder aufzubauen, denn: Der Körper muss seine Energiereserven aufladen, die er durch den Durchfall verloren hat. 

  • Gut geeignete Lebensmittel sind Bananen (zu Brei zerstampfen), geraspelter Apfel, den Sie vor dem Verzehr leicht braun werden lassen, getrocknete Heidelbeeren, gekochte Karotten, Reis, Kartoffeln sowie Naturjoghurt und Haferbrei (mit Wasser).   
  • Verzichten Sie auf fettige, eiweißreiche, sehr saure, scharfe und süße Speisen – sowie generell auf schwer verdauliche Nahrung. 
  • Setzen Sie auf reichlich Ruhe und Entspannung für Ihr allgemeines Wohlbefinden. 
  • Auch eine Wärmflasche auf dem Bauch kann den rumorenden Magen besänftigen. 

Vor allem Äpfel (insbesondere die Schalen), Bananen und Karotten sind reich an Pektin, das das überschüssige Wasser im Darm bindet und dafür sorgt, dass der Stuhl fester wird. Sobald sich der Darm beruhigt hat, können Sie wieder zur Normalkost wechseln. 

Rezept: Karottensuppe nach Moro5

So bereiten Sie das Hausmittel bei Durchfallerkrankungen zu:

  • 500 Gramm Karotten schälen und mixen.
  • Anschließend die Karotten mit 1 Liter Wasser einkochen und zwar solange, bis die Flüssigkeit auf 200 Milliliter reduziert ist. Dafür 1 bis 1,5 Stunden einplanen.
  • Karottenmasse durch ein Sieb streichen, dann in 1 Liter Gemüsebrühe einrühren. Alternativ zur Gemüsebrühe auf 1 Liter gekochtes Wasser mit 3 Gramm Kochsalz zurückgreifen.

Die Karottensuppe über den Tag verteilt essen.

Medikamente

Generell sollten Sie mit der Einnahme von Arzneimitteln in der Schwangerschaft eher zurückhaltend sein und im Zweifel Rücksprache mit dem Arzt halten. Und nur in seltenen Fällen erfordert eine akute Diarrhoe eine Therapie, die über diätetische Maßnahmen hinausgeht. Sollte dem Durchfall damit jedoch nicht beizukommen sein, ist nach dem ärztlichen „OK“ generell eine Durchfallbehandlung mit Kohletabletten oder akut wirkenden Antidiarrhoika (Durchfallmittel), die den Wirkstoff Loperamid enthalten, möglich. Loperamid, welches die Darmbewegung hemmt, gilt in der Schwangerschaft als Mittel der ersten Wahl, allerdings nur im zweiten und dritten Trimester.6 Verabreicht im ersten Schwangerschaftsdrittel wurde in einer Studie mit 683 Teilnehmerinnen ein minimal erhöhtes Risiko für Fehlbildungen festgestellt, ebenso ein minimal erhöhtes Risiko für Hypospadien (angeborene Fehlbildung des Penis).7 Um das genaue Risiko abschätzen zu können, sind jedoch zukünftig noch weitere Studien notwendig. 

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Julia Lindert Die Ressortjournalistin Julia Lindert spezialisierte sich während ihres Studiums auf die Themenfelder Medizin und Biowissenschaften. Medizinische Sachverhalte in verständlicher Sprache zu formulieren, ist das, was sie an ihrer Arbeit besonders mag. Ihr Credo in Bezug auf Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten: Nichts beschönigen, aber auch keine unnötigen Ängste schüren. Julia Lindert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
Quellen anzeigen
  • 1gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit: Durchfall. URL: https://gesund.bund.de/durchfall - Stand (05.07.2021).
  • 2Gries, A. (Hrsg.): Klinische Akut- und Notfallmedizin. Berlin: Med. Wiss. Verlagsgesellschaft 2020. S. 248.
  • 3Stallmach, Andreas (Hrsg): FAQ Gastroenterologie. Antworten – prägnant und praxisnah. München: Elsevier 2020. S. 50.
  • 4Bennack, Edith: Orale Antibiotika. Kompaktinformation für die Beratung. Eschborn: Govi 2020. S. 16.
  • 5Bühring, Ursel: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. Grundlagen – Anwendung – Therapie. Stuttgart: Haug 42014. S. 188.
  • 6Briese, Volker/Bolz, Michael/Reimer, Toralf: Krankheiten in der Schwangerschaft. Handbuch der Diagnosen von A – Z. Berlin [u.a.]: de Gruyter 22015. S. 101.
  • 7Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie: Loperamid. URL: https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/loperamid/ - Stand (05.07.2021).