Schwanger mit +/- 50: Möglichkeiten und Risiken

Frauen bekommen heutzutage in Deutschland ihr erstes Kind durchschnittlich mit etwa 31 Jahren.1 Das ist deutlich später als in der Generation davor. Doch auch spätere Schwangerschaften sind dank guter ärztlicher Versorgung möglich – sogar in einem Alter, in dem normalerweise die Wechseljahre eintreten. Schwanger mit 50 zu sein ist zwar immer noch die Ausnahme, aber kein medizinisches Wunder mehr. Trotz dessen birgt eine späte Schwangerschaft einige Risiken. Welche das sind und worauf Spätgebärende über 50 besonders achten müssen, lesen Sie hier.

Schwanger mit 50: Ältere Frau betrachtet Ultraschall.

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Windeln statt Wechseljahre

Frauen, die mit 50 Jahren schwanger werden, bringen häufig ihr erstes Kind zur Welt. In vielen Fällen liegt die späte Schwangerschaft allerdings darin begründet, dass die Frau davon ausging, bereits in den Wechseljahren und damit nicht mehr fruchtbar zu sein. Paare gehen in dieser Situation oftmals nachlässiger mit dem Thema Verhütung um, sodass es zu einer unerwarteten Schwangerschaft kommen kann.

Die Wechseljahre – auch Klimakterium genannt – treten nicht von einem Tag auf den anderen ein. Eine Frau unter 50 Jahren gilt als unfruchtbar, wenn ihre Monatsblutung mehr als zwei Jahre ausgesetzt hat. Bei einer Frau mit oder über 50 reicht ein Jahr aus. Solange die Menstruation noch ab und zu erfolgt, ist eine Schwangerschaft theoretisch möglich. Um dies zu vermeiden, führt kein Weg an einer konsequenten Verhütung vorbei.2

Die Fruchtbarkeit einer Frau kann der Frauenarzt mittels Ultraschalluntersuchung abschätzen. Dabei überprüft er, ob noch herangereifte Eibläschen – oder auch Follikel genannt (kugelige Blasen im Eierstock, die für die Reifung der Eizelle eine wichtige Rolle spielen) – in den Eierstöcken vorhanden sind. Ist dies der Fall, kann eine Schwangerschaft erfolgen. Auch ein Hormontest lässt Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit der Frau zu.

Dank künstlicher Befruchtung schwanger mit 50

Wenn die Frau keinen Eisprung mehr hat, kann sie nur durch eine Eizellspende schwanger werden. Das ist eine Methode der künstlichen Befruchtung, bei der einer Frau, in deren Eierstöcken keine eigenen Eizellen mehr heranreifen, die Eizelle einer Spenderin eingesetzt wird. Im Gegensatz zur Samenspende ist die Eizellspende in Deutschland jedoch gesetzlich verboten.

Schwanger mit 50: Hohes Risiko für Fehlgeburten und Gendefekte

War die späte Schwangerschaft ungeplant, ist die Nachricht für die meisten Frauen zunächst einmal eine enorme Überraschung – stellen sich viele in diesem Alter eigentlich eher auf einen ruhigeren Lebensabschnitt ein und nicht auf schlaflose Nächte und Babygeschrei. Doch nicht nur das: Mit 50 Jahren schwanger zu sein, gilt als Hochrisikoschwangerschaft und ist nicht ganz ungefährlich für Mutter und Kind.

Gendefekt-Risiko bei späten Schwangerschaften

Fehlgeburten und Gendefekte treten bei späten Schwangerschaften deutlich häufiger auf als bei frühen. Der verbreitetste Gendefekt ist die Trisomie 21, die auch als Down-Syndrom bekannt ist. Der Defekt tritt dann auf, wenn das Chromosom 21 nicht – wie es eigentlich in der Vererbungslehre der Fall ist – nur zweimal vorkommt, sondern stattdessen dreimal vorhanden ist. Die Folge davon sind körperliche und kognitive Beeinträchtigungen für das Kind. Das Risiko einer Trisomie steigt mit dem Alter der werdenden Mutter und ist demnach bei Spätgebärenden über 50 besonders hoch.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem mütterlichen Alter und dem Down-Syndrom?
Die Antwort darauf lautet: das Klebeprotein Cohesin. Dieses befindet sich in den Eizellen der Frau und hat die Funktion, die dort enthaltenen Chromosomen in Position zu halten. Dabei stabilisiert das Klebeprotein die Chromosomen und sorgt so dafür, dass der Vorgang der Zellteilung reibungslos abläuft. Je älter eine Frau wird, desto mehr baut die Bindekraft des Cohesins ab. Ohne eine ausreichende Bindekraft können die Chromosomen jedoch auseinanderfallen und das Erbgut wird nicht mehr gleichmäßig verteilt – was dann zu Chromosomabweichungen wie Trisomie 21 führen kann.

Um den Gendefekt so früh wie möglich zu erkennen, kann beispielsweise eine Blutuntersuchung ab etwa der neunten Schwangerschaftswoche für Aufklärung sorgen. Dabei werden aus dem Blut der angehenden Mutter die DNA-Bruchstücke des Kindes isoliert und auf genetische Auffälligkeiten untersucht. So ist es möglich, dass die Trisomie während der späten Schwangerschaft problemlos erkannt werden kann. Eltern, die die Diagnose Trisomie 21 erhalten, haben dann genug Zeit, sich auf die Situation vorzubereiten und können sich um individuelle Fördermaßnahmen kümmern.

Weitere mögliche Komplikationen bei einer Spätgebärenden über 50

Eine natürliche Geburt kann bei Frauen, die mit 50 schwanger sind, durch gutartige Wucherungen — sogenannte Fibrome — in der Gebärmutter erschwert oder sogar verhindert werden. Die Bildung dieser ist ab dem Zeitpunkt der Menopause typisch.

Auch vaginale Blutungen aufgrund einer tief liegenden Plazenta machen manchmal einen Kaiserschnitt erforderlich. Wieso eine sogenannte Plazenta praevia bei älteren Frauen häufiger auftritt als bei jüngeren, ist bislang noch ungeklärt.

Weitere mögliche Komplikationen für Spätgebärende über 50 sind:

  • Bluthochdruck
  • Ödeme (Wassereinlagerungen)
  • Präeklampsie (gehört zur Gruppe der Bluthochdruck-Erkrankungen in der Schwangerschaft)
  • schlechte Leberwerte
  • Schwangerschaftsdiabetes

Darüber hinaus ist die Gebärmutter in diesem Alter nicht mehr so gut durchblutet, was zu einer Unterversorgung des Embryos führen kann. Späte Schwangerschaften werden daher deutlich engmaschiger betreut als frühere.

Intensive ärztliche Betreuung von Spätgebärenden
Mit der Einordnung in die Kategorie „Risikoschwangerschaft“, die ab einem Alter von 35 Jahren automatisch vorgenommen wird, erhält die Mutter eine intensivere Betreuung von ihrem Frauenarzt.3 Diese beinhaltet neben den Vorsorgeterminen im Abstand von vier Wochen zusätzliche Ultraschalluntersuchungen und bei Bedarf weitere diagnostische Maßnahmen. Außerdem erhalten Spätgebärende über 50 Jahren durch die Einordnung zusätzliche Leistungen von ihrer Krankenkasse. Dazu zählt beispielsweise ein Bluttest, mit dem sich ermitteln lässt, ob das Kind an einem Gendefekt leidet, oder ein Zweittrimester-Screening, das Aufschluss über die Entwicklung der Organe gibt. Die intensive Betreuung ist notwendig, um mögliche Komplikationen bei einer späten Schwangerschaft schnellstmöglich identifizieren zu können.

Vorteile für Spätgebärende über 50

Schwanger mit 50 zu sein wird zwar als Risikoschwangerschaft eingestuft – dies bedeutet allerdings nicht zwingend, dass Komplikationen auftreten müssen. Manche Risiken lassen sich durch eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen verringern, sodass etliche Frauen mit und über 50 Jahren durchaus komplikationsfreie Schwangerschaften erleben.

Ein großer Vorteil der späten Schwangerschaft besteht zudem darin, dass viele Frauen in diesem Alter seelisch stabiler und gelassener sind. Sie haben ein positives Körpergefühl und können sich auf die anstehende Mutterschaft gut einstellen. Außerdem achten sie mehr auf ihre Gesundheit. Sie rauchen seltener und ernähren sich besser. Weiterhin sind ältere Eltern in den meisten Fällen finanziell bereits gut aufgestellt und daher abgesichert für die Versorgung eines Kindes.

Gut zu wissen:
Genauso wie bei einer frühen Schwangerschaft gilt auch für Frauen, die schwanger mit 50 sind, dass eine ausgewogene Ernährung mit hochwertigen Nährstoffen entscheidend ist für die Entwicklung des Kindes. Vor allem

  • Ballaststoffe,
  • Eiweiße,
  • Eisen,
  • Calcium und
  • Jod

sollten in ausreichender Menge verzehrt werden. Dabei unterscheidet sich die Ernährung in einer späten Schwangerschaft gar nicht so maßgeblich von einer früheren.

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1 DESTATIS – statistisches Bundesamt: Alter der Mutter. URL: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Geburten/Tabellen/GeburtenMutterAlterBundeslaender.html (04.06.2018).
2 Lackinger Karger, Ingeborg: Wechseljahre. München: Gräfe und Unze 2008. S.25.
3 Kranke, Peter: Die geburtshilfliche Anästhesie. Heidelberg: Springerverlag 2017. S.217.