Neugeborenengelbsucht: Warum das Baby gelb wird

Gut die Hälfte aller Babys zeigt Symptome einer Neugeborenengelbsucht: gelb gefärbte Haut und Augäpfel. In den meisten Fällen ist dieses Phänomen vollkommen unproblematisch. Ein komplizierter Verlauf kann allerdings ernste Folgen nach sich ziehen. Was können Eltern tun?

Symptome: Was passiert bei Neugeborenengelbsucht?

Baby wird mit Licht gegen Neugeborenengelbsucht behandelt.

Die Neugeborenengelbsucht (Icterus neonatorum oder Neugeborenenikterus) zeigt sich meist am zweiten oder dritten Lebenstag des Neugeborenen. Dann färbt sich die Haut des Babys gelb ein und die Augäpfel erhalten ebenfalls einen deutlichen Gelbstich – daher auch der Name Neugeborenengelbsucht.

Die typischen Symptome der Erkrankung sind:

  • gelb gefärbte Haut
  • gelb gefärbte Augäpfel
  • bräunlicher Urin
  • heller Stuhl

Wie lange sich die Beschwerden einer Neugeborenengelbsucht zeigen? Die Dauer ist in der Regel auf etwa eine Woche begrenzt. Am fünften bis sechsten Lebenstag erreicht die Färbung normalerweise ihren Höhepunkt und bildet sich anschließend von alleine zurück. Spätestens nach 14 Tagen sollte die Haut des Babys nicht mehr gelb verfärbt sein.

Ursache: Wie entsteht die Neugeborenengelbsucht?

In den überwiegenden Fällen ist die Neugeborenengelbsucht keinerlei Grund zur Besorgnis. Während eine Gelbsucht bei Erwachsenen (Hepatitis) eine schwere Infektionskrankheit ist, handelt es sich bei der Neugeborenengelbsucht lediglich um einen natürlichen Anpassungsprozess des kleinen Körpers.

Der Säugling kommt mit überschüssigen roten Blutkörperchen auf die Welt, die während der Schwangerschaft für den Transport von Sauerstoff benötigt wurden. Nach der Geburt baut die Leber die überzähligen Zellen ab. Bei diesem Prozess fällt das sogenannte Bilirubin (gelber Gallenfarbstoff) an. In vielen Fällen ist die Leber des Säuglings noch nicht in der Lage, das Bilirubin schnell genug abzubauen. Staut es sich im Körper, entsteht die typische Gelbfärbung einer Neugeborenengelbsucht.

Bilirubinwerte im Überblick

3. bis 6. Lebenstag: max. 15 mg/dl

ab dem 10. Lebenstag: max. 1 mg/dl

Die Grenzwerte für Bilirubin sind abhängig von Alter und Gewicht des Babys. Die Werte sind daher nur als Richtgröße zu betrachten; mittels Bluttest kann der Arzt genaue Zahlen ermitteln.

Solange der Körper das Bilirubin eigenständig nach und nach abbaut, stellt die Neugeborenengelbsucht keinerlei Risiko dar. Übersteigen die Bilirubinwerte jedoch einen bestimmten Grad, besteht die Gefahr, dass der Stoff ins Gehirn eindringt und sich dort ablagert. Dadurch kann es zu Schäden an den Nervenzellen kommen. Eine Neugeborenengelbsucht muss daher stets kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden, ansonsten kann eine sogenannte Bilirubin-Enzephalopathie (also eine schwere Schädigung des Nervensystems durch die Neugeborenengelbsucht) sogar tödlich sein.

Die Arten der Neugeborenengelbsucht

Kinderärzte unterscheiden vier Arten der Neugeborenengelbsucht, die sich durch Verlauf und Ursachen unterscheiden:

  • Physiologischer Neugeborenenikterus: Er beginnt in den ersten sechs Lebenstagen, bildet sich aber bis zum zehnten Lebenstag wieder zurück.
  • Icterus praecox: Diese Neugeborenengelbsucht tritt auf, weil zwischen mütterlichem und kindlichem Blut eine Unverträglichkeit besteht. Beispielsweise wenn die Mutter Rhesus negativ ist, das Kind aber Rhesus positiv. Auch Verletzungen wie Hämatome während der Geburt gelten als Risikofaktoren. Die typischen Symptome entstehen meist schon am ersten Tag.
  • Icterus gravis: Dieser „ernste“ Verlauf (lateinisch: gravis = ernst) zeichnet sich durch einen sehr hohen Bilirubinwert aus. Sprich, bei einem Neugeborenen übersteigt er die 20 mg/dl.
  • Icterus prolongatus: Von dieser Variante spricht man, wenn die Neugeborenengelbsucht länger als 14 Tage anhält.

Wie behandelt man eine Neugeborenengelbsucht?

Beim normalen Verlauf einer physiologischen Neugeborenengelbsucht muss eigentlich keine Behandlung erfolgen. Allerdings kann man den Körper des Säuglings dabei unterstützen, das überschüssige Bilirubin abzubauen.

Trinken/Stillen

Das Kind sollte möglichst viel Flüssigkeit zu sich nehmen, damit die Verdauung in Gang kommt. Das wiederum fördert die Ausscheidung von Bilirubin.

Da die frühe Muttermilch (Kolostrum) abführend wirkt, rät der Hebammenverband dazu, Säuglinge mit Neugeborenengelbsucht innerhalb von 24 Stunden achtmal zu stillen. Kinder, die nicht gestillt werden, sollten ausschließlich Pre-Milch erhalten.

Wärme

Ein Neugeborenes benötigt sehr viel Energie, um Wärme für den eigenen Körper zu produzieren. Darum ist es sinnvoll, das Baby mit entsprechender Kleidung warmzuhalten. Es hat dann mehr Energie „übrig“, um den Stoffwechsel zu aktivieren. Auch Hautkontakt mit den Eltern und eine Wärmelampe sind eine gute Unterstützung.

Tageslicht

Natürliches Sonnenlicht fördert den Abbau von Bilirubin. Auch wenn Neugeborene nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden sollen, ist ein Spaziergang an der frischen Luft sehr sinnvoll. Zusätzlich können Eltern das Babybett ans Fenster stellen.

Fototherapie

Bei schweren Fällen einer Neugeborenengelbsucht (mehr als 15 bis 18 mg/dl) wird eine Fototherapie notwendig. Dabei werden die Babys unter einer Lampe mit dem Licht einer bestimmten Wellenlänge platziert. Das enthaltene Blaulicht sorgt dafür, dass das in der Haut abgelagerte Bilirubin in wasserlösliche Substanzen umgewandelt wird, ohne, dass der Umweg über die Leber notwendig ist. Der Stoff kann dann einfach über den Urin ausgeschieden werden.

Wichtig: Die Augen sollten während der Fototherapie abgedeckt sein, um Netzhautschäden beim Baby zu vermeiden.

Fazit: Neugeborenengelbsucht

Wenn ein Baby in den ersten Lebenstagen gelbe Verfärbungen am Körper entwickelt, sollten die Eltern umgehend einen Arzt aufsuchen. Auch wenn die Neugeborenengelbsucht in vielen Fällen ein normaler Prozess ist, muss das betroffene Kind dennoch ärztlich begleitet und überwacht werden, um Komplikationen zu vermeiden.

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