Das „Wunder“ Mehrlingsschwangerschaft: Zwillingsschwangerschaft und Drillingsschwangerschaft

Eine Zwillings- oder sogar Drillingsschwangerschaft ist für die Eltern meist eine große Überraschung. Plötzlich muss ganz anders geplant werden. Aber wie kommt es überhaupt zu einer Mehrlingsschwangerschaft – und kann man Zwillinge normal gebären?

Schwangere Frau mit zwei Herzen auf dem Bauch: Zwillinge als Form von Mehrlingsschwangerschaften

Alles auf einen Blick

Mehrlingsschwangerschaft: oft kein Zufall

Eine Mehrlingsschwangerschaft besteht dann, wenn mehr als ein Embryo im Körper der Frau heranwächst. Die mit Abstand häufigste Art sind Zwillinge, also zwei Kinder der gleichen Eltern, die während einer Schwangerschaft entstehen.

Interessant

Im Jahr 2016 gebaren 14.635 Frauen in Deutschland Mehrlinge. Davon waren 14.371 Zwillingspärchen, gefolgt von 258 Drillingsgeburten. Lediglich sechs Frauen brachten mehr als drei Babys gleichzeitig zur Welt. Bei 785.000 Geburten insgesamt sind speziell Zwillinge gar nicht so selten wie man denkt.1

Eine Schwangerschaft mit Zwillingen und sogar Drillingen entsteht vermehrt bei Frauen, die Hormonpräparate, beispielsweise zur Steigerung der Fruchtbarkeit, eingenommen haben. Auch im Rahmen einer künstlichen Befruchtung kommt es häufiger zu Mehrlingsschwangerschaften, weil zum Beispiel bei einer In-vitro-Fertilisation mehrere befruchtete Eier eingepflanzt werden. Entwickelt sich daraus mehr als ein Embryo, entstehen Mehrlinge.

Bei Frauen, die auf natürlichem Wege eine Mehrlingsschwangerschaft erleben, liegt häufig eine familiäre Veranlagung vor. So schätzt man, dass die Wahrscheinlichkeit bei einer Frau, Zwillinge zu bekommen, doppelt so hoch ist, wenn ihre Schwester bereits Zwillinge geboren hat. Dies gilt jedoch nur für zweieiige Zwillinge. Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft mit dem Alter der Frau.

Schwanger mit Zwillingen: Was bedeutet eineiig und zweieiig?

Eineiige Zwillinge sind eine Laune der Natur. Dabei wird im Körper eine Eizelle der Frau befruchtet. In den ersten Tagen nach der Befruchtung teilt sich diese Eizelle jedoch so, dass zwei Embryos angelegt werden. Die Babys haben exakt die gleiche DNA, dementsprechend das gleiche Geschlecht und sehen sich später zum Verwechseln ähnlich.

Bei zweieiigen Zwillingen werden zwei Eizellen im Eileiter befruchtet. Die Ähnlichkeit dieser Kinder ist später nicht stärker als bei anderen Geschwistern. Es können auch ein Junge und ein Mädchen zur Welt kommen.

Verlauf einer Mehrlingsschwangerschaft

Eine Schwangerschaft mit Zwillingen oder Drillingen wird automatisch als Risikoschwangerschaft eingestuft. Darum gibt es häufigere Vorsorgeuntersuchungen als bei regulären Schwangerschaften.

Nichtsdestotrotz treten bei vielen Mehrlingsschwangerschaften keinerlei Komplikationen auf. Doch wie genau verläuft eine Mehrlingsschwangerschaft und auf was muss geachtet werden?

Eine Mehrlingsschwangerschaft belastet die Mutter stärker

Eine Mehrlingsschwangerschaft bringt für die schwangere Frau generell eine größere Belastung mit sich. Der Körper muss mehr Gewicht tragen, was für Gelenke, Muskeln und Bindegewebe eine Herausforderung ist. Mütter von Zwillingen und Drillingen klagen häufiger über typische Schwangerschaftsbeschwerden. Dazu gehören:

Häufig ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen, dazu gehören Eisen, Jod und Calcium.

Vor allem im letzten Trimester müssen die Frauen darauf achten, sich nicht zu sehr anzustrengen, da dies das Einsetzen der Wehen begünstigt. Um sicherzustellen, dass es den Zwillingen oder Drillingen gegen Ende der Schwangerschaft gut geht, führen Ärzte ab der 28. Schwangerschaftswoche eine wöchentliche CTG Kontrolle (Messung der Wehenstärke und Herztöne der Kinder) durch. Bei einer Mehrlingsschwangerschaft ist die vorzeitige Geburt nämlich keine Seltenheit.

Mögliche Komplikationen bei einer Mehrlingsschwangerschaft

Für den Verlauf der Mehrlingsschwangerschaft ist es zunächst wichtig, zu welchem Zeitpunkt sich die Eizelle aufspaltet: Geschieht dies recht früh, entstehen sogenannte dichoriale Zwillinge. Jeder Embryo hat dann seine eigene Fruchthöhle, Plazenta und Eihaut. Dies ist medizinisch gesehen vorteilhaft, weil so beide Babys ideal versorgt werden können.

Findet bei einer eineiigen Zwillingsschwangerschaft die Aufspaltung erst später statt, kann es sein, dass sich beide Embryonen eine Plazenta teilen müssen (monochoriale Zwillinge). Zudem kommt es vor, dass die Zwillinge in nur einer Fruchthöhle liegen (monoamniote monochoriale Zwillinge). In diesen Fällen kann es im Verlauf der Schwangerschaft zu Komplikationen bei der Versorgung der Babys kommen, da sich die Nabelschnüre möglicherweise verheddern und abschnüren.

Plazentainsuffizienz bei Zwillingsschwangerschaften wahrscheinlicher

Die Nährstoffversorgung der Kinder ist auch gefährdet, wenn die Mutter an einer Plazentainsuffizienz (mangelnde Funktion des Mutterkuchens) leidet. Da die Plazenta bei mehreren Babys stärker ausgelastet ist, ist eine Mangelversorgung in diesem Fall wahrscheinlicher. Diese eingeschränkte Funktion des Mutterkuchens kann bei den Ungeborenen schwere Entwicklungsstörungen hervorrufen. Eine Plazentainsuffizienz ist vor allem daran zu erkennen:

  • Blutungen und Krämpfe bei der Mutter
  • Verlangsamung des Herzschlages beim Baby
  • schwere Mangelversorgung des Kindes mit Sauerstoff

Wird eine Insuffizienz der Plazenta entdeckt, muss sich die werdende Mutter vor allem schonen. Die Behandlung umfasst die Gabe von Medikamenten und sorgfältige ärztliche Beobachtung. Diese Medikamente sollen der drohenden Entwicklungsstörung der Ungeborenen entgegenwirken.

Thromboserisiko bei Mehrlingsschwangerschaften erhöht

Wenn ein Gefäß durch kleine Klumpen aus geronnenem Blut komplett verstopft ist oder verengt wird, spricht man von einer Thrombose. Durch den veränderten Hormonhaushalt funktioniert die Blutgerinnung bei einigen Schwangeren nicht mehr richtig, wodurch sich Gerinnsel bilden, die in den Beinvenen zu Venenentzündungen führen können. Das drückt sich in erster Linie durch schmerzende, geschwollene Beine aus. Meist sind diese Symptome aber nur die Folge von Wassereinlagerungen in den Beinen. In seltenen Fällen kann es passieren, dass das Blutgerinnsel über den Blutkreislauf in die Lunge gelangt und dort zu einer Lungenembolie (Verschluss von Lungenarterien) führt.

Neben Übergewicht und höherem Alter in der Schwangerschaft ist auch eine Mehrlingsschwangerschaft ein Risikofaktor für die Entstehung von Thrombosen. Da Frauen, die mit Zwillingen oder Drillingen schwanger sind, generell einer höheren Belastung ausgesetzt sind, müssen sie sich öfter erholen, wodurch sie sich möglicherweise nicht mehr ausreichend bewegen. Da Bewegungsmangel ein hohes Risiko für Thrombosen darstellt, ist es in diesem Fall ratsam, Thrombosestrümpfe (erhältlich in der Apotheke) zu verwenden, um das Risiko eines Blutgerinnsels und damit einer drohenden Thrombose zu senken.

Bei eineiigen Zwillingen ist das feto-fetale Transfusionssyndrom möglich

Diese Komplikation tritt nur bei eineiigen Zwillingen auf, die sich eine Plazenta teilen. In diesem Fall bilden sich manchmal Gefäßverbindungen zwischen den beiden Nabelschnüren. Besteht eine solche Gefäßverbindung, kann in seltenen Fällen das feto-fetale Transfusionssyndrom entstehen. Hierbei wird bei jedem Herzschlag Blut von einem Zwilling (der sogenannte Spenderzwilling) zum anderen (Empfängerzwilling) gepumpt. Als Folge daraus hat ein Kind zu wenig Blut, sodass es sich nicht normal entwickeln kann (auch, weil nicht genügend Fruchtwasser vorhanden ist). Das andere Kind bekommt so viel Blut, dass sein Herz damit überfordert ist. Außerdem steigt beim Empfängerzwilling die Fruchtwassermenge so drastisch an, dass der Bauchumfang der Mutter sehr zunimmt und starke Schmerzen entstehen.

Zur Therapie des feto-fetalen Transfusionssyndroms werden die Gefäßverbindungen mithilfe eines Fetoskops gesucht und anschließend mit einem Laser durchbrochen. Man spricht dann von einer fetalchirurgischen Laserkoagulation. Die Chance, dass die Mehrlinge überleben, liegt bei frühzeitiger Behandlung bei 60 Prozent, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind überlebt, bei 80 Prozent.2

Die Geburt von Zwillingen und Drillingen

Die Mehrlingsgeburt gehört grundsätzlich zu den Risikogeburten. Bei einer Zwillingsschwangerschaft kann die Geburt auch auf natürlichem Wege erfolgen. Voraussetzung dafür ist, dass die Schwangerschaft ohne Komplikationen verlaufen ist und dass sich im besten Fall beide Zwillinge in Schädellage (mit dem Köpfchen voran) befinden. Es wird stark dazu geraten, im Krankenhaus zu entbinden. Bei einer Drillingsschwangerschaft empfehlen Ärzte grundsätzlich einen Kaiserschnitt. Dadurch werden Risiken gering gehalten und die Mutter nicht zu stark belastet.

Schon gewusst?

Eine Mehrlingsschwangerschaft ist durchschnittlich kürzer als eine Ein-Kind-Schwangerschaft. So kommen Zwillinge in der Regel bereits in der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Drillinge oft noch früher. Das Geburtsgewicht von Mehrlingen ist häufig deutlich geringer. Es ist demnach keine Seltenheit, dass Zwillinge oder Drillinge nach der Geburt medizinisch unterstützt werden müssen. Daher ist es sinnvoll, eine Geburtsklinik zu wählen, in der bei Bedarf auch die Versorgung der Babys gewährleistet werden kann.

Eine Mehrlingsschwangerschaft ist durchschnittlich kürzer als eine Ein-Kind-Schwangerschaft. So kommen Zwillinge in der Regel bereits in der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Drillinge oft noch eher. Das Geburtsgewicht von Mehrlingen ist häufig deutlich geringer. Es ist demnach keine Seltenheit, dass Zwillinge oder Drillinge nach der Geburt medizinisch unterstützt werden müssen. Daher ist es sinnvoll, eine Geburtsklinik zu wählen, in der bei Bedarf auch die Versorgung der Babys gewährleistet werden kann.

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1Statistisches Bundesamt: Frauen mit Mehrlingsgeburten. URL: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Geburten/Tabellen/GeburtenMehrlinge.html;jsessionid=EB3BE3F23878A8D116720DE5A314E6BE.InternetLive2 (23.10.2018).
2Kainer, Franz/Nolde, Annette: Das große Buch zur Schwangerschaft – Umfassender Rat für jede Woche. Berlin: Gräfe und Unzer Verlag 2016. S.144/145.