Wichtige Fragen zum Thema Babys tragen:

Wie wird ein Baby richtig getragen?

Wichtig ist, dass die Babytrage für das Gewicht und die Größe des Kindes geeignet ist. Ein spezialisierter Trageberater gibt bei der Auswahl Hilfestellung. Das Baby sollte in der orthopädisch korrekten Anhock-Spreiz-Haltung sitzen. Das bedeutet, dass die Beine bis auf Nabelhöhe angewinkelt und leicht nach außen gedreht sind.

Ist eine Babytrage auch für Neugeborene geeignet?

Hier gibt es unterschiedliche Ansichten. Grundsätzlich sollten Sie sich im Wochenbett schonen. Sobald Sie sich fit genug fühlen, können Sie auch ein Neugeborenes in einem anschmiegsamen Tragetuch transportieren. Lassen Sie sich allerdings unbedingt die richtige Sitzhaltung von einem Experten zeigen. Einige Ärzte und Verkaufsberater empfehlen eine Trage wiederum erst nach dem Hüftscreening (im Rahmen der Routineuntersuchung U3). Dann ist sichergestellt, dass Babys Hüfte gesund ist und es richtig in der Trage sitzen kann.

Wie lange ist die Babytrage nutzbar?

Das hängt von der Trage ab. Hier lohnt sich der Vergleich von verschiedenen Herstellern. Die meisten Modelle werden mit einer maximalen Bestastbarkeit von 15 bis 20 Kilogramm ausgezeichnet. Vielmehr kommt es aber darauf an, wie lange die Eltern tragen möchten, denn ein hohes Gewicht belastet irgendwann den Rücken.

Babytrage oder Tragetuch – was ist besser?

Das hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Während ein Tragetuch einen sehr engen Hautkontakt zwischen Baby und Elternteil ermöglicht, finden viele Mütter und Väter eine stabile Babytrage praktischer, da sie zum Beispiel leichter einzustellen ist.

Vorteile einer Babytrage


Den Haushalt mit einem weinerlichen Baby schmeißen oder mit Kinderwagen durch das Einkaufszentrum schlendern: Wer neben der Kinderbetreuung noch Dinge erledigen möchte, weiß, dass es nicht immer einfach ist. Eine Trage kann hierbei eine Erleichterung sein – für Eltern und das Kind. Folgende Vorteile bringt das Tragen des Babys mit sich:

  • Der Körperkontakt beruhigt das Baby. Manche Säuglinge lassen sich vor allem zu Beginn kaum ablegen. Sie benötigen den permanenten Körperkontakt (häufig) zur Mama, um schlafen zu können. Ein Tragetuch oder eine Babytrage erleichtert diese Situation. Hinzu kommt, dass der Säugling durch die ständige Bewegung der Mutter oder des Vaters sanft geschaukelt wird, was ebenso beruhigend auf das Kind wirkt.
  • Die Eltern gewinnen an Mobilität. Während das Baby seelenruhig im Tragetuch schläft, kann der Elternteil den Alltag bestreiten. Kochen, am PC arbeiten oder dem Geschwisterkind hinterherrennen – eine Trage erleichtert viele Aufgaben.
  • Ihr Rücken wird geschont. Dafür muss die Babytrage richtig passen. Die Voraussetzung ist, dass Sie die richtige Tragehilfe für sich und Ihren Körperbau ausgewählt haben. Normalerweise tragen Eltern ihren Säugling ohnehin viel. Das Problem dabei ist, dass die meisten Tragenden eine Lieblingskörperseite haben – die Belastung erfolgt somit überwiegend einseitig. Die Folge können Rückenschmerzen sein. Mit einer Trage verteilt sich das Gewicht des Kindes gleichmäßig, sodass Tragen insgesamt rückenschonender ist.
  • Das Kind sieht mehr. Dadurch, dass das Baby auf Augenhöhe sitzt, bekommt es viel mehr vom Alltagsgeschehen mit. So kann es insgesamt zufriedener wirken und seine Sinnesentwicklung wird gefördert.
  • Das Stillen funktioniert auch im Laufen. Wer erst einmal den Dreh raushat, stillt sein Kind unkompliziert, während es getragen wird. Stillpausen auf einer Parkbank sind dann nicht mehr nötig.
  • Babys Köpfchen wird geschont. Liegt ein Neugeborenes sehr viel auf dem Rücken, kann dies Einfluss auf die Form des Kopfes nehmen. Der Schädel wird unter Umständen am Hinterkopf platt; Ärzte sprechen dann von der sogenannten Plagiozephalie. In der aufrechten Position in einer Trage entsteht dagegen kein Druck auf den weichen Schädel des Kindes.

Veraltete Sprüche wie „Das Kind wird zu sehr verwöhnt.“ oder „Es wird immer an dir klammern.“ dürfen Trage-Eltern übrigens getrost überhören. Schließlich entscheiden sie selbst über den Erziehungsstil ihres Kindes.

Schon gewusst: Woher stammt die Angst vor Verwöhnung?

Die Erziehungsmethode vieler Generationen (bis in die 80er-Jahre hinein) beruhte häufig auf Tipps aus dem Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" von Johanna Haarer. Darin wird Eltern zum Beispiel empfohlen, das Kind nachts schreien zu lassen, damit es durchschläft. Selbst Kinderärzte setzten auf die Ansichten der Autorin.1 Dass diese Methoden mittlerweile umstritten sind, ist bekannt. Eltern hatten damals allerdings nicht die Möglichkeit, sich selbst umfassend zu Erziehungsthemen zu informieren. Die Maßnahmen von früher versuchen viele Großeltern weiterzugeben, denn schließlich ist aus den eigenen Kindern auch „etwas geworden“.

Nachteile einer Babytrage


Auch, wenn es zahlreiche Vorteile gibt, die für das Tragen des Babys sprechen, muss jede Mutter und jeder Vater selbst entscheiden, ob es das Richtige für sie oder ihn ist. Einige Nachteile hat das Tragen nämlich auch:

  • Rückenschmerzen sind nicht ausgeschlossen. Je schwerer das Baby, desto größer wird die Belastung für den Rücken der tragenden Person. Das führt manchmal trotz guter Beratung und der richtigen Tragetechnik zu anhaltenden Problemen.
  • Es kann warm werden. Vor allem im Sommer empfinden manche Eltern den permanenten Körperkontakt aufgrund der Hitze als unangenehm. Das ist in erster Linie dann der Fall, wenn Sie eine Person sind, die ohnehin schnell ins Schwitzen gerät. Manchmal schaffen spezielle Sommertragen mit Mesh-Einsätzen oder ein Tragetuch aus atmungsaktivem Material Abhilfe. Wenn aber auch das Baby durch Ihre Körperwärme schwitzt, sollte es bei hohen Temperaturen vorerst lieber nicht getragen werden.
  • Die Handhabung fällt manchmal schwer. Vor allem das Binden eines Tragetuchs will gelernt sein. Das Anlegen wirkt vor allem bei den ersten Malen etwas kompliziert. Sobald es ein Spezialist (Trageberater) aber gut erklärt, sollte auch das kein Problem mehr sein. Es gibt außerdem spezielle Tragen, die mittlerweile sehr einfach umzustellen sind – sodass sie sowohl der Vater als auch die Mutter schnell anziehen können.
  • Der Stauraum fehlt. Der Kinderwagen kommt häufig auch als eine Art kleiner Transporter zum Einsatz. Einkäufe, Sandkastenspielzeug, Wickelausrüstung und Co. lassen sich so bequem mitnehmen. Mit einem Tragebaby müssen Eltern all diese Dinge zusätzlich im Rucksack oder in der Tasche verstauen.

Doch oft ist nicht die Mutter oder der Vater der Tragegegner. Es gibt auch Kinder, die sich nicht tragen lassen möchten, weil sie es nicht leiden können – ähnlich wie beim Pucken – eingeengt zu sein oder es ihnen schlichtweg zu warm ist. In diesem Fall sollten Sie es in ein paar Tagen oder Wochen erneut versuchen, womöglich klappt es dann. Oder aber, Sie belassen es beim Kinderwagen.

Babytrage nach der Geburt – ab wann ist die Verwendung möglich?


Experten bezeichnen Babys auch als „Tragelinge“, denn grundsätzlich ist das Tragen evolutionsbedingt natürlich. Dennoch gibt es auch hier unterschiedliche Meinungen. Viele Ärzte empfehlen Müttern das Tragen erst nach Ende des Wochenbetts – also nach 6 beziehungsweise (bei Zwillingen) 8 Wochen. Der Grund: Die Mutter soll sich im Wochenbett schonen und von der Geburt erholen. Jede Mama muss individuell entscheiden, ob zum Beispiel ihr Beckenboden stark genug ist. Womöglich möchten Sie zunächst mit der Rückbildungsgymnastik starten, um Ihre Körpermitte zu stärken.

Wann wird eine Babytrage nach einem Kaiserschnitt empfohlen?

Das hängt von der Heilung der Narbe und dem Allgemeinzustand der Patientin ab. Generell sollte sich das Wochenbett nach einem Kaiserschnitt (Sectio caesarea) etwas verlängern. Ihre Hebamme kontrolliert die Narbe regelmäßig und ist in der Lage, einzuschätzen, wann eine Mutter wieder fit genug ist, um ihr Neugeborenes länger zu tragen. Aber: Das gilt nicht für den Papa. Dieser darf nach einer ausführlichen Trageberatung jederzeit zum Tragetuch greifen.

Andere Spezialisten und auch Babyfachgeschäfte empfehlen Tragehilfen erst nach der U3 (Kontrolltermin zwischen der 4. und 5. Lebenswoche).2 Denn im Rahmen dieser Untersuchung führt der Arzt eine Hüftsonographie (Ultraschall) beim Säugling durch. Auf diese Weise sollen Hüftreifungsstörungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Gibt der Kinderarzt das Okay, weil keine gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen, dürfen Eltern ihr Kind guten Gewissens tragen.

Auswahl einer Babytrage: Was ist wichtig?


Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Tragen, die ihre Vor- und Nachteile haben. Bei der Auswahl eines geeigneten Modells hilft eine Trageberatung.

Was ist eine Trageberatung?

Hierbei handelt es sich um speziell ausgebildete Personen, die Eltern beim richtigen Tragen unterstützen und dafür sorgen, dass die Tragehilfen richtig passen. Sie analysieren den Körperbau der Mutter sowie des Vaters und empfehlen eine Babytrage, die ideal auf Gewicht und Größe des Kindes zugeschnitten ist. Außerdem zeigt ein Trageberater, wie Sie ein Tragetuch richtig binden und das Kind sicher darin sitzt.

Der Spezialist kann auf eine Auswahl von Babytragen zurückgreifen. Dazu zählen:

  • Tragetuch: Das ist der Klassiker unter den Tragehilfen. Das Baby schmiegt sich in einem elastischen Tuch ideal an den Körper von Mama und Papa. Viele Eltern kommen allerdings mit dem Binden nicht zurecht. Hier hilft die Beratung, da es unterschiedliche Bindemöglichkeiten gibt. Das Tragetuch eignet sich für Säuglinge ab der Geburt.
  • Halfbuckle/Wrap Conversions: Diese Variante ist schon etwas stabiler. Sie besitzt einen Bauch-Hüftgurt und ein Rückenteil mit Kopfstütze. Der Halfbuckle wird unter dem Po des Babys verknotet und lässt sich meist an die Größe des Kindes anpassen. Der Vorteil ist das unkomplizierte Anlegen.
  • Fullbuckle: Wer es noch simpler haben möchte, greift zu einer Babytrage, die komplett mit Schnallen verschlossen wird. Sie lässt sich einfach und schnell für jeden Träger anpassen, sodass der zügige Wechsel zwischen Mutter und Vater möglich ist. Fullbuckle werden in der Regel ab einem Körpergewicht von 3,5 Kilogramm empfohlen.3

Die meisten Modelle eignen sich sowohl für das Tragen vor der Brust als auch auf dem Rücken. Trageberater empfehlen allerdings die Face-to-Face-Variante – also das Tragen auf der Bauchseite mit Blick zueinander. Auf diese Weise hat das Neugeborene direkten Augenkontakt und ist nicht zu vielen Reizen ausgesetzt. Bei Kleinkindern dagegen können Eltern die Trage wie einen Rucksack auf den Rücken schnallen. Hierbei sollten sie allerdings das ausgewiesene Maximalgewicht ihrer Trage berücksichtigen.

Ergonomisch gesund tragen – so geht‘s


Das Wichtigste bei der Auswahl der richtigen Tragehilfe und beim Einstellen der Position ist die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung. Wie diese richtig auszusehen hat, erklärt die Hebamme oder Trageberatung. 

Was ist die Anhock-Spreiz-Stellung?

Dabei handelt es sich um eine reflexartige Haltung des Babys. Es ist auch die orthopädisch korrekte Trageform. Bei der Anhock-Spreiz-Haltung zeigen die Hüftgelenke nach vorne, die Beine sind bis auf Nabelhöhe angezogen und leicht nach außen gespreizt. Die Hüfte des Kindes rutscht dadurch automatisch nach vorne und der Rücken wird rund. Hüfte sowie Wirbelsäule des Babys werden auf diese Weise geschont.

Experten nennen sie im Übrigen auch M-Position. Der Grund: Beim Blick auf die Rückenansicht des Kindes bilden Beine und Po des Babys den Buchstaben M.

Abhängig von der Jahreszeit ist die Bekleidung des Neugeborenen ebenso wichtig. Das Kleine darf weder schwitzen noch frieren. Eltern sollten Folgendes beachten:

  • Tragen im Sommer: In der warmen Jahreszeit empfehlen sich atmungsaktive Stoffe wie Baumwolle oder Seide für die Babykleidung. Eltern greifen am besten zu hellen Farben, da diese einen Großteil der Wärmestrahlung reflektieren. Babys Körper erhitzt sich dadurch nicht so schnell.4 Zudem kann eine Babytrage mit Mesh-Einsätzen sinnvoll sein, damit die Luft besser zirkuliert.
  • Tragen im Winter: Bei Kälte gilt das Zwiebelprinzip, bestehend aus mehreren dünnen Bekleidungslagen. Je nachdem, ob Sie das Kind über oder unter Ihrer Jacke tragen, sollten Sie die Kleidung anpassen. Socken halten Babys Füßchen warm. Verzichten Sie dagegen auf Strumpfhosen, da diese unter Umständen drücken oder gar einschnüren können.
  • Sonnenschutz: Egal, ob im Sommer oder Winter – Babys Haut ist das ganze Jahr über sehr empfindlich und muss vor der Sonne geschützt werden. Verzichten Sie auf Spaziergänge zur Mittagszeit. Bedecken Sie die Arme und Beine des Kindes mit langer Kleidung. Wählen Sie einen Sonnenhut oder verwenden Sie die häufig an der Trage befestigte Kopfbedeckung.

Ob Ihrem Neugeborenen im Tragetuch zu warm ist, können Sie im Nacken des Kindes spüren. Ist dieser heiß, sollten Sie Ihren Schützling aus der Trage herausnehmen und die Kleidung wechseln.

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Monika Hortig Die ersten Artikel schrieb Monika Hortig in ihrem Kinderzimmer und speicherte sie noch auf Diskette. Dass sie eines Tages Redakteurin werden möchte, wusste sie schon sehr lange. Deswegen zog es sie nach ihrem Studium in die Münchener Verlagswelt. Nach diversen Praktika in Online-Redaktionen absolvierte sie ihr Volontariat bei verschiedenen Lifestyle-Magazinen – unter anderem mit Schwerpunkt Sport und Ernährung. Das steigende Interesse für medizinische Themen führte sie letztendlich zu kanyo®. Als Medizinredakteurin kann sie hier ihre beiden Vorlieben – Online-Journalismus und Gesundheit – vereinen. Monika Hortig Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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