Sehen, Hören und Co.: Wie sich die Sinne Ihres Babys entwickeln

Die ersten Tage eines Neugeborenen sind eine wahre Reizüberflutung. War bisher im Mutterleib noch alles gedämpft und geschützt, ist das Baby plötzlich der Welt ausgeliefert. Erst nach und nach entwickelt es seine Sinne und nimmt an der Welt teil. Ab wann kann das Baby richtig sehen, hören, schmecken, riechen und fühlen?

Die Sinne eines Babys bilden sich teilweise bereits während der Schwangerschaft aus. So kann ein Baby im Bauch schon hell und dunkel unterscheiden; auch Geräusche und Stimmen nimmt es wahr. Ebenso kann das Baby den Herzschlag der Mutter hören, der auch nach der Geburt beruhigend wirkt. Die Sinneswahrnehmungen müssen sich jedoch im Lauf der Zeit entwickeln und verfeinern, beispielsweise kommt das Sehen erst mit der Zeit. Dafür können Neugeborene schon früh gut riechen.

Riechen und schmecken

Ein Mädchen genießt ihr Essen mit allen fünf Sinnen.

Direkt nach der Geburt sind Säuglinge in der Lage, sich Gerüche zu merken. Legt man das Kind der Mutter auf die Brust, nimmt es ihren Geruch wahr und erinnert sich an ihn. Später können Babys auch die Muttermilch der eigenen Mutter von der einer anderen unterscheiden – und das nur am Geruch. Auf intensive Gerüche reagieren Säuglinge nachweislich mit einem erhöhten Pulsschlag. Diese Geruchswahrnehmung zeigen sie auch sehr deutlich durch Strampeln.

Obwohl der Speiseplan von Neugeborenen wenig abwechslungsreich ist, können sie bereits die vier Geschmacksrichtungen bitter, sauer, süß und salzig auseinanderhalten. Vor allem Nahrung, die süß ist, finden Babys lecker. Bitteres oder Saures mögen sie hingegen gar nicht – der Widerwillen wird oftmals durch lautes Geschrei bekundet. Diese Reaktion ist äußerst sinnvoll: Sie soll das Kind davor schützen, unbemerkt etwas Giftiges oder Verunreinigtes zu essen.

Tipp: Nach der Geburt ist es empfehlenswert, dass Eltern auf künstliche Gerüche wie Parfum oder stark riechende Pflegeprodukte verzichten. Nur dann hat das Baby die Möglichkeit, den Geruch der Eltern abzuspeichern – dieser Duft ist für Babys beruhigend. Parfums dagegen können das Baby irritieren.

Ab wann kann das Baby hören?

Im Bauch der Mutter ist es längst nicht so ruhig, wie man denkt: Blut rauscht vorbei, wie Autos auf einer Schnellstraße, das Herz schlägt unaufhörlich und auch im Magen kann es ganz schön laut zugehen. Das Baby nimmt all diese Geräusche bereits wahr.

In den ersten Tagen nach der Geburt kann es sein, dass die Öhrchen etwas verstopft sind: Fruchtwasser oder Käseschmiere (Vernix caseosa) geraten schon einmal hinein. Abgesehen davon hört ein Neugeborenes sehr gut, ganz egal, ob Sie flüstern oder die Musik aufdrehen. Die Stimme der Mutter erkennt das Baby bereits am ersten Tag und kann sie genau von anderen Stimmen unterscheiden.

Tipp: Babys mögen sanfte Töne mit etwas hellerem Klang. Tiefe und dunkle Töne wie beispielsweise kräftige Männerstimmen können Babys schnell erschrecken.

Ab wann kann das Baby sehen?

Das Sehen ist der Sinn, der sich bei einem Baby am langsamsten entwickelt. Im Bauch der Mutter sind zwar Sinneseindrücke wie eine helle oder dunkle Umgebung vorhanden, abgesehen davon, gibt es jedoch wenig zu sehen. Darum müssen sich Babys nach der Geburt an die vielen visuellen Reize erst einmal gewöhnen. Plötzlich ist es hell und farbig, während die Welt bisher eher gedimmt war.

Nach der Geburt kann das Kind nur Dinge sehen, die sehr nah vor seinen Augen sind. Ab der vierten Woche nimmt das Sehvermögen stetig zu. Starke Kontraste (zum Beispiel schwarz-weiß) und große, einfache Formen sind für ein Baby besser zu erkennen. Die Fähigkeit zur Farbunterscheidung entwickelt sich ebenfalls erst nach und nach. In den ersten Wochen kann ein Säugling zwar Rot von Gelb unterscheiden, aber nicht Blau von Grün.

Tipp: Hängen Sie ein Mobile nicht weiter als 20 Zentimeter über Ihrem Baby auf. In den ersten Lebenswochen reicht sein Sehvermögen nicht weiter. Dies entspricht übrigens in etwa der Distanz, die das Baby beim Stillen zum Gesicht der Mutter hat.

Wie sich der Tastsinn entwickelt

Die Haut eines Babys ist sehr empfindsam und nimmt Berührungen überaus genau wahr. Während im Bauch der Mutter nur Fruchtwasser das Baby umgab, ist es nun direktem Hautkontakt ausgesetzt: Es fühlt Temperatur, Wind, Handtücher, die Haut der Eltern, Kleidung, Windeln und so weiter. Besonders direkter Hautkontakt ist von großer Bedeutung für die Bindung zu den Eltern. Er gibt dem Baby Ruhe und Geborgenheit.

Tipp: Gönnen Sie Ihrem Kind doch eine kleine Massage. Viele Säuglinge lieben diese Momente mit den Eltern. In Krankenhäusern und Hebammenpraxen werden spezielle Kurse für Babymassagen angeboten – auch für Väter.

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