Der Ablauf einer Abtreibung

Eine Schwangerschaft sorgt längst nicht in allen Fällen für überschwängliche Freude. Für die Frau kann eine ungeplante Schwangerschaft auch zu einer großen Belastung werden. In Deutschland bleibt schwangeren Frauen bis zur 12. Schwangerschaftswoche die Möglichkeit einer Abtreibung.

In Deutschland gibt es zwei Methoden, eine Schwangerschaft zu beenden:

  • der operative Eingriff
  • der medikamentöse Abbruch

Eine Frau informiert sich im Beratungsgespräch über eine Abtreibung

Die operative Abtreibung

Der operative Schwangerschaftsabbruch wird in einer Klinik oder bei einem spezialisierten Gynäkologen vorgenommen. Die Abtreibung erfolgt ambulant, das bedeutet, dass die schwangere Frau einige Stunden nach dem Eingriff wieder nach Hause gehen kann.

Am Tag der Abtreibung findet zunächst ein kurzes Beratungsgespräch mit dem Narkosearzt statt, der im Anschluss die Betäubung einleitet. Zwar ist der Abbruch auch durch eine lokale Betäubung des Muttermundes möglich, in vielen Fällen erhält die Frau jedoch eine Vollnarkose. Der Arzt weitet dann zunächst den Gebärmutterhals und saugt dann das Gewebe aus der Gebärmutter heraus. Ist die Frau nach dem Eingriff stabil, kann sie nach Hause gehen.

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch mit der Abtreibungspille

Seit Juli 2008 können Frauen auch mit der „Abtreibungspille“ eine Schwangerschaft abbrechen. Das Präparat kann bis zum 63. Tag nach der letzten Regelblutung eingenommen werden, allerdings nur unter ärztlicher Aufsicht. Der darin enthaltene Wirkstoff Mifepriston unterbindet die Produktion des Hormons Progesteron, das für den Fortbestand einer Schwangerschaft von hoher Bedeutung ist.

Nach der Einnahme der Abtreibungspille können die Frauen zunächst nach Hause gehen. Etwa 36 bis 48 Stunden später erhalten sie zudem ein Vaginalzäpfchen mit Prostaglandinen. Diese lösen in der Regel innerhalb von drei Stunden Wehen aus, sodass es zu einer Fehlgeburt kommt. Bei etwa einem Viertel der Frauen bleibt der Schwangerschaftsabbruch nach Einnahme der Abtreibungspille aus, dann erfolgt nach drei Stunden eine zweite Prostaglandin-Gabe.

Körperliche Folgen einer Abtreibung

Bei beiden Verfahren des Schwangerschaftsabbruchs ist es wichtig, dass die Frau nach der Abtreibung nicht allein ist. Zwar sind Komplikationen selten, dennoch kann es zu starken Blutungen, Fieberschüben oder Kreislaufproblemen kommen. Treten Komplikationen auf, ist ein weiterer Arztbesuch dringend erforderlich.

Darüber hinaus kommt es in der Regel in den Wochen nach dem Schwangerschaftsabbruch zu Blutungen. Während dieser Zeit sollte auf Vollbäder und Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Auch von Tampons ist wegen des erhöhten Infektionsrisikos abzuraten. Der behandelnde Arzt berät die Patientin in diesen Fragen.

Generell gilt ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch als schonender für den Körper. Allerdings empfinden manche Frauen diese Methode als psychisch anstrengender, da der Vorgang über mehrere Tage dauert und die Frauen ihn bei vollem Bewusstsein erleben.

Folgen einer Abtreibung: Später Schwangerschaft möglich?

Sowohl die operative, als auch die medikamentöse Methode sind heute so erprobt, dass einer weiteren Schwangerschaft nach einer Abtreibung normalerweise nichts im Wege steht.

Die Voraussetzungen für eine Abtreibung

Ein Schwangerschaftsabbruch ist rein rechtlich betrachtet in vielen Fällen zwar rechtswidrig, bleibt aber unter bestimmten Umständen straffrei (§218a StGB). Bedingungen dafür sind:

  • Die schwangere Frau möchte die Schwangerschaft beenden.
  • Die Schwangerschaft hat die 12. Woche noch nicht erreicht.
  • Die Schwangere hat sich mindestens drei Tage vorher in einer anerkannten Beratungsstelle informiert.
  • Der Schwangerschaftsabbruch wird von einem Arzt durchgeführt, der nicht gleichzeitig die Beratung durchgeführt hat.

In bestimmten Fällen gilt eine Abtreibung als nicht rechtswidrig. Voraussetzung ist, dass ein Arzt medizinische oder kriminologische Gründe anbringt. Zu Ersterem zählt, wenn beispielsweise Lebensgefahr für die Schwangere besteht. Ein kriminologischer Grund liegt dann vor, wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden ist. Allerdings muss die Schwangerschaft innerhalb von zwölf Wochen nach Empfängnis beendet werden.

Was kostet eine Abtreibung?

Im Übrigen werden die Kosten für die Abtreibung nicht von der Krankenkasse getragen. Den Schwangerschaftsabbruch, der zwischen 300 und 400 Euro kostet, müssen die Schwangeren selbst bezahlen. Nur in Ausnahmefällen, beispielweise bei keinem oder nur geringem Einkommen, kann ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden.

Spätabbruch (Spätabtreibung) nach der 12. Schwangerschaftswoche

Treten beispielsweise Komplikationen auf, die das Leben oder die körperliche wie seelische Gesundheit von Mutter und Kind gefährden, kann noch nach der 12. Schwangerschaftswoche eine Abtreibung vorgenommen werden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn bei den Geburtsvorsorgeuntersuchungen eine körperliche oder geistige Behinderung des Babys festgestellt wird. Eine Abtreibung wird dann mit der seelischen Gesundheit der Mutter begründet.

Die Entscheidung obliegt dabei jedoch nicht mehr alleine der Mutter, ein Abbruch kann nur aufgrund einer ärztlichen Indikation durchgeführt werden. Je später der Schwangerschaftsabbruch, desto schwerwiegender muss der Grund hierfür sein.