Neugeborenenakne: Wenn Babys Pickel im Gesicht bekommen

3. Februar 2020

7 Min.

Unglaublich zart stellen wir uns die Haut von Babys vor – umso größer mag die Verwunderung sein, wenn plötzlich kleine Pickelchen im Gesicht des neuen Familienmitgliedes sprießen. Tatsächlich sind, wie auch in der Pubertät, Hormone der Grund für die Hautveränderung. Doch keine Sorge, die sogenannte Neugeborenenakne ist harmlos. Mit geduldigem Warten und ein paar Tricks aus der Hausmittelkiste ist die Babyhaut bald wieder rosig und weich.

Baby mit Neugeborenenakne schaut in die Kamera.

Überblick:

Neugeborenenakne erkennen

Sicher kann es verunsichernd sein, wenn sich bereits in den ersten Lebenswochen Hautveränderungen beim Baby zeigen – vor allem, da in den ersten Wochen ohnehin alles neu und ungewohnt ist. Tatsächlich gibt es Erkrankungen der Haut, die mit der nicht vermeidbaren, aber harmlosen Neugeborenenakne (auch Babyakne oder Acne neonatorum) verwechselt werden können, beispielsweise Milchschorf oder ein Impfausschlag. Ebenso kann Hautgrieß, medizinisch Milien genannt, für die unreine Babyhaut verantwortlich sein. Dabei handelt es sich um weiße, stecknadelkopfgroße und mit Hornmaterial gefüllte Zysten an den Ausgängen der Talgdrüsen.

Das zeichnet die Neugeborenenakne aus

  • Wo? Meist im Gesicht, besonders auf den Wangen; manchmal auch bis zu den Schultern und dem Brustbereich
  • Wann? Circa um die dritte Lebenswoche, heilt ohne Zutun nach circa 3 Monaten wieder ab1
  • Wie sieht das aus? In der Regel weiße, manchmal gerötete und eitrige Pickel
  • Ist das ansteckend? Nein
  • Weitere Symptome? Nein, kein Fieber oder Juckreiz
  • Bleiben Narben? Nein
  • Ist mein Kind eine Ausnahme? Nein, 20 Prozent der Säuglinge sind betroffen2, Jungen häufiger als Mädchen (Verhältnis 4:1)3; verstärkt trifft es Säuglinge, bei denen die Eltern starke Akne hatten, als sie in der Pubertät waren

Warum bekommen Babys Neugeborenenakne?

Um die 40 Wochen hat das Baby im Bauch der Mutter verbracht. Wenig verwunderlich, dass es erst einmal etwas Zeit braucht, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Wissenschaftlich ist noch nicht eindeutig geklärt, was genau zur Babyakne führt. Experten vermuten, dass die unreine Haut eine Reaktion auf die mütterlichen Geschlechtshormone ist, die es – noch wohlig eingebettet im Bauch der Mama – aufgenommen hat.4 Die Talgdrüsen des Babys arbeiten aufgrund des Hormonüberschusses auf Hochtouren, das Resultat: Pickelchen. Das Zuviel an Hormonen ist auch häufig der Grund für geschwollene Brustdrüsen bei neugeborenen Babys (bei beiden Geschlechtern).

Das Baby baut die mütterlichen Hormone, die es noch im Blut hat, nach und nach ab. In der Regel normalisiert sich der kindliche Stoffwechsel innerhalb relativ kurzer Zeit, die Neugeborenenakne sollte sich binnen der ersten drei Lebensmonate zurückgebildet haben.2

Unterschied Neugeborenen- und Säuglingsakne

Die sogenannte Säuglingsakne oder Kleinkindakne (Akne infantum) tritt zumeist auf, wenn die Kinder zwischen drei und neun Monate alt sind und begleitet sie dann einige Monate, teilweise sogar über Jahre hinweg.3 Generell verläuft die Säuglingsakne stärker als die Neugeborenenakne. Typisch dafür sind unter anderem geschlossene und offene Komedone (Mitesser), Pusteln (Eiterbläschen) und Papeln (Knötchen). Verantwortlich für die Säuglingsakne zeigt sich häufig eine angeborene, vorübergehende Vergrößerung (Hyperplasie) der Nebennierenrinde, die zahlreiche Hormone herstellt. Diese Hyperplasie führt dazu, dass die Talgdrüsen verstärkt arbeiten.

Eltern sollten in jedem Fall einen Arzt hinzuziehen, wenn das Kind vermutlich unter Säuglingsakne leidet. Denn je nachdem, wie stark ausgeprägt die Säuglingsakne ist, ist beispielsweise eine Behandlung mit lokal aufzutragenden – teilweise antibiotischen – Salben notwendig.

Statt rubbeln: Abwarten und gegebenenfalls Tee auftragen

Neugeborenenakne heilt in der Regel vollständig von alleine ab. Es erfordert somit nur etwas Geduld, bis die Pickelchen von selbst wieder verschwinden. Bitte keinesfalls versuchen, die Pusteln auszudrücken, sonst können sich diese entzünden.

Hilfreich kann es sein, die betroffenen Hautpartien mit

  • Muttermilch zu beträufeln oder
  • einem in lauwarmen Stiefmütterchentee (erhältlich in der Apotheke) getränktes Mulltuch zu betupfen.

Hat Ihr Nachwuchs Neugeborenenakne, genügt es, das Kind einmal in der Woche zu baden.5 Ansonsten ist es vollkommen ausreichend, dessen Gesicht jeden Tag mit warmem Wasser und einem weichen Waschlappen sanft sauberzumachen.6 Nach der Körperpflege die Haut behutsam trockentupfen. Wer mag, kann mehrmals wöchentlich eine milde Seife auftragen, die Feuchtigkeit spendet.5 Hingegen sind Babyöle oder fettende Cremes oder andere Pflegeprodukte zu vermeiden. 

Falls Sie auf homöopathische Mittel zur Selbstbehandlung zurückgreifen möchten, um die Neugeborenenakne zu lindern, können Sie es mit Calcium carbonicum D12 (Austernschalenkalk) versuchen. Das Baby nimmt zweimal täglich 1 Globuli ein.7

Wann sollte ich zum Arzt?

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie sich unsicher sind, ob es sich um Babyakne oder doch um einen anderen Hautausschlag handelt, lassen Sie bitte Ihre Hebamme oder Ihren Kinderarzt einen Blick auf die Hautveränderung werfen. Ebenfalls ratsam kann ein Arztbesuch sein, sobald sich die Pickelchen entzünden, also zunehmend rot werden, anschwellen und Eiter enthalten. Gegebenenfalls verschreibt der Kinderarzt dann eine antibiotische Salbe.

Eitrige Babyakne? Das hält die Hausmittel-Apotheke bereit

Die kleinen Pickel können durch eine Tinktur aus Calendula (Ringelblume) gemildert werden, die Sie wie folgt verdünnen: Mischen Sie 1 bis 2 Teelöffel der in der Apotheke erhältlichen Essenz mit 250 Milliliter abgekochtem Wasser.8 Anschließend befeuchten Sie ein Mulltuch mit der Tinktur und tupfen vorsichtig die betroffenen Hautpartien ab.

Positive Eigenschaften der Ringelblume: Sie wirkt entzündungshemmend und beruhigt die empfindliche Haut des Babys.

Julia Lindert
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Medizinredakteurin
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