Hypnobirthing (Mongan-Methode): die schmerzfreie Geburt?

Seit Herzogin Kate die beiden britischen Thronfolger mit Hypnobirthing zur Welt brachte, ist diese Geburtsvorbereitungsmethode in aller Munde. Die Kurse versprechen eine leichte und sanfte Geburt für Mutter und Kind.

Schwangere Frau in der Badewanne: Geburtsmethode Hypnobirthing (Mongan-Methode) in Verbindung mit einer Wassergeburt

Unter Hypnobirthing versteht man eine Geburtsphilosophie, die Methoden der Eigenhypnose und Atemtechniken kombiniert. Das Konzept fußt auf dem Grundsatz, dass eine Geburt ein natürlicher und gesunder Ablauf ist.

Sofern keine besonderen Umstände vorliegen, kann demnach jede Geburt ruhig und stressfrei verlaufen, denn der weibliche Körper weiß instinktiv, was zu tun ist, um zu gebären. Oft entscheiden sich Frauen, die sich mit Hypnobirthing vorbereiten, für eine Wassergeburt. Die entsprechenden Techniken lassen sich in einem Kurs erlernen.

Frühe Forschungsansätze zur schmerzfreien Geburt


Die sogenannte Mongan-Methode ist nicht neu. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts forschte der britische Arzt Dr. Dick-Read zu dem Phänomen der schmerzfreien Geburt, das er teilweise selbst beobachten konnte.

In Büchern und Artikeln beschrieb er das „Angst-Verkrampfungs-Schmerz-Syndrom“, von dem er annahm, dass es der Grund für das große Leiden von Frauen unter der Geburt sei. Seine Theorie: Die Angst der Frau sorgt für Verkrampfungen im Körper, insbesondere in der Gebärmutter, was den natürlichen Geburtsvorgang behindert und Schmerzen auslöst.
Damit lag er nicht ganz falsch, denn tatsächlich schüttet der Körper unter der Geburt Endorphine aus, ein körpereigenes Schmerzmittel. Allerdings nur dann, wenn die Frau entspannt bleibt.

Mongan-Methode: Die Entstehung von Hypnobirthing

Das Ziel von Hypnobirthing besteht darin, Frauen zu ermöglichen, ihre Geburt möglichst schmerzfrei, kraftvoll und mit einem guten Gefühl zu erleben. Schmerzmittel und andere medizinische Eingriffe sollen durch Hypnobirthing vermeidbar sein.

Die Gründerin Marie F. Mongan hat das Konzept aufgrund ihrer eigenen Geburtserfahrungen entwickelt. Sie brachte in den 1950er Jahren in den USA drei Kinder zur Welt, von denen jedoch zwei trotz ihres ausdrücklichen Wunsches nach einer natürlichen Geburt unter Zwangsnarkose und einer Geburtszange entbunden wurden. Erst bei ihrer dritten Geburt war es Marie F. Mongan möglich, ihr Baby - wie von ihr gewünscht - natürlich und ohne Fremdeinwirkung zu gebären.

Auch wenn Dr. Dick-Read zunächst von seinen Kollegen belächelt wurde, bauten im Laufe der Zeit mehrere Geburtsmethoden auf seinen Erkenntnissen auf, darunter auch das Hypnobirthing.

Hypnobirthing durchbricht den Angst-Schmerz-Kreislauf


Hauptaugenmerk eines Hypnobirthing-Kurses liegt darauf, den Angst-Schmerz-Kreislauf zu durchbrechen und dadurch Schmerzen zu verringern. Angst und Stress aktivieren Teile des Nervensystems, die den Organismus auf „Notfall“ ausrichten, auch wenn dieser gar nicht vorliegt, sondern nur mental so empfunden wird.

Das wiederum wirkt sich auf die Blutversorgung aus. In diesem Notfallmodus werden überlebenswichtige Organe und Körperteile stärker durchblutet, beispielsweise die Beine, um bei akuter Lebensbedrohung weglaufen zu können.

Die Gebärmutter gehört nicht zu diesen Organen. Sie wird entsprechend weniger versorgt, obwohl für die Muskelkontraktionen während der Geburt dringend Sauerstoff und damit Blut benötigt wird. Die für die Geburt notwendigen Muskelgruppen arbeiten im Notfallmodus nicht mehr miteinander, sondern gegeneinander, was Schmerzen verursacht. Bleibt die Mutter hingegen ruhig und entspannt, tritt diese Situation nicht ein.

Hypnobirthing gegen die Angst vor der Geburt: Hypnose & Aufklärung

Um Ängste und Panik schon vor der Geburt zu vermeiden, setzen die Kursleiter stark auf Aufklärung. Zum einen geht es darum, wie sich die Geburtshilfe und die Rolle der schwangeren Frau über die Jahrhunderte entwickelt haben. Denn in dieser Entwicklung liegt wohl einer der Gründe, warum heute das Bild der schmerzhaften Geburt so stark in der Gesellschaft verankert ist. Zum anderen erfahren die Kursteilnehmer viel über die Abläufe einer Geburt und wie der Körper das Baby zur Welt bringt.

Wissenswert: Beim Hypnobirthing verzichtet man auf negativ behaftete Begriffe. Statt „Wehen“ spricht man von „Wellen“. „Komplikationen“ sind „besondere Umstände“.

Viel Raum nehmen Entspannungsmethoden und Techniken der Eigenhypnose ein. Die Frauen lernen, sich während der Geburt selbst in einen Trancezustand zu begeben, um möglichst entspannt zu bleiben. Dazu werden verschiedene Visualisierungen verankert. Atemtechniken für die verschiedenen Phasen der Geburt gehören ebenfalls zum Programm.

Ein Geburtsbegleiter (zum Beispiel der Vater des Kindes, Verwandte oder Freunde der Mutter) sollte möglichst auch am Kurs teilnehmen, denn Hypnobirthing enthält Elemente wie Massagen, die sowohl in der Geburtsvorbereitung, als auch während der Geburt gemeinsam durchgeführt werden sollen. Der Partner ist insgesamt stärker eingebunden, als bei klassischen Geburtsvorbereitungskursen.

Hypnobirthing-Kurse: Durchführung und Kostenübernahme

Hypnobirthing-Kurse werden teilweise, aber nicht per se von Hebammen durchgeführt. Die Hypnobirthing Gesellschaft zertifiziert Kursleiter nach erfolgreichem Abschluss einer entsprechenden Ausbildung. Die Kurse finden meist an vier Abenden in der Gruppe statt. Wochenendkurse und Einzelsitzungen können individuell vereinbart werden.

Die Kosten werden von der Krankenkasse in der Regel nicht getragen und liegen bei 500 Euro pro Paar. Alle Übungen sollten möglichst regelmäßig – allein oder gemeinsam – zuhause wiederholt werden, damit bei Geburtsbeginn Atmung und Entspannung ganz automatisch abgerufen werden können. Zu diesem Zweck gibt es für Kursteilnehmer oft ein Buch, ein Kurs-Handout und CDs.