Das „Wunder“ Mehrlingsschwangerschaft: Zwillingsschwangerschaft und Drillingsschwangerschaft

Eine Zwillings- oder sogar Drillingsschwangerschaft ist für die Eltern meist eine große Überraschung. Plötzlich muss ganz anders geplant werden. Aber wie kommt es überhaupt zu einer Mehrlingsschwangerschaft – und kann man Zwillinge normal gebären?

Schwangerschaft mit Zwillingen: Frau hält zwei Herzen auf ihren Bauch.

Mehrlingsschwangerschaft: oft kein Zufall

Eine Mehrlingsschwangerschaft besteht dann, wenn mehr als ein Embryo im Körper der Frau heranwächst. Die mit Abstand häufigste Art sind Zwillinge, also zwei Kinder der gleichen Eltern, die während einer Schwangerschaft entstehen.

Eine Schwangerschaft mit Zwillingen und sogar Drillingen entsteht vermehrt bei Frauen, die Hormonpräparate, beispielsweise zur Steigerung der Fruchtbarkeit, eingenommen haben. Auch im Rahmen einer künstlichen Befruchtung kommt es häufiger zu Mehrlingsschwangerschaften, weil zum Beispiel bei einer In-vitro-Fertilisation mehrere befruchtete Eier eingepflanzt werden. Entwickelt sich daraus mehr als ein Embryo, entstehen Mehrlinge.

Bei Frauen, die auf natürlichem Wege eine Mehrlingsschwangerschaft erleben, liegt häufig eine familiäre Veranlagung vor. So schätzt man, dass die Wahrscheinlichkeit bei einer Frau, Zwillinge zu bekommen, doppelt so hoch sei, wenn ihre Schwester bereits Zwillinge geboren hat. Dies gilt jedoch nur für zweieiige Zwillinge. Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft mit dem Alter der Frau.

Schwangerschaft mit Zwillingen: Was bedeutet eineiig und zweieiig?

Eineiige Zwillinge sind eine Laune der Natur. Dabei wird im Körper eine Eizelle der Frau befruchtet. In den ersten Tagen nach der Befruchtung teilt sich diese Eizelle jedoch so, dass zwei Embryos angelegt werden. Die Babys haben exakt die gleiche DNA, dementsprechend das gleiche Geschlecht und sehen sich später zum Verwechseln ähnlich.

Bei zweieiigen Zwillingen werden zwei Eizellen im Eileiter befruchtet. Die Ähnlichkeit dieser Kinder ist später nicht stärker als bei anderen Geschwistern. Es können auch ein Junge und ein Mädchen zur Welt kommen.

Zwillinge von verschiedenen Vätern – ist das möglich?

Bei Drillingen oder Mehrlingsgeburten kann eine Mischung aus eineiigen und zweieiigen Geschwistern vorliegen. Die Kinder einer zweieiigen Mehrlingsschwangerschaft können sogar verschiedene Väter haben. Medizinisch gesehen, ist es möglich, dass nachdem eine Eizelle befruchtet wurde, noch innerhalb von 24 Stunden ein zweiter Eisprung erfolgt. Da Samenzellen im weiblichen Körper bis zu fünf Tagen aktiv bleiben, ist eine zweieiige Zwillingsschwangerschaft mit zwei Vätern durchaus möglich, beispielsweise wenn der erste Geschlechtsverkehr wenige Tage vor dem ersten Eisprung stattfindet und ein weiterer Geschlechtsverkehr am Tag des zweiten Eisprungs oder kurz danach (Überschwängerung). Bei diesen Sonderfällen spricht man streng genommen jedoch nicht von Zwillingen, sondern von Halbzwillingen.

Dichoriale und monochoriale Zwillinge

Für den Verlauf der Schwangerschaft ist wichtig, zu welchem Zeitpunkt sich die Eizelle aufspaltet: Geschieht dies recht früh, also bis zum dritten Tag, entstehen sogenannte dichorale Zwillinge. Jeder Embryo hat dann seine eigene Fruchthöhle, Plazenta und Eihaut. Dies ist medizinisch gesehen vorteilhaft, weil so beide Babys ideal versorgt werden können. Dieser Fall trifft auf etwa 70 Prozent aller Schwangerschaften mit Zwillingen zu, wobei zweieiige Zwillinge stets dichorale Zwillinge sind.

Findet bei einer eineiigen Zwillingsschwangerschaft die Aufspaltung erst später statt, kann es sein, dass sich beide Embryonen eine Plazenta teilen müssen (Monochoriale Zwillinge). Zudem kommt es vor, dass die Zwillinge in nur einer Fruchthöhle liegen. Dies nennt man monoamniote monochoriale Zwillinge. In diesen Fällen kann es im Lauf der Schwangerschaft zu Komplikationen bei der Versorgung der Babys kommen.

Verlauf einer Mehrlingsschwangerschaft

Eine Schwangerschaft mit Zwillingen oder Drillingen wird automatisch als Risikoschwangerschaft eingestuft. Darum gibt es häufigere Vorsorgeuntersuchungen als bei regulären Schwangerschaften. Nichtsdestotrotz verlaufen viele Mehrlingsschwangerschaften vollkommen komplikationsfrei.

Eine Mehrlingsschwangerschaft bringt für die schwangere Frau jedoch eine größere Belastung mit sich. Der Körper muss mehr Gewicht tragen, was für Gelenke, Muskeln und Bindegewebe eine Herausforderung ist. Mütter von Zwillingen und Drillingen klagen häufiger über typische Schwangerschaftsbeschwerden. Dazu gehören:

Häufig ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen, dazu gehören Eisen, Jod und Calcium.

Die Geburt von Zwillingen und Drillingen

Die Mehrlingsgeburt gehört grundsätzlich zu den Risikogeburten. Bei Mehrlingsgeburten wird ab drei Babys grundsätzlich zu einem Kaiserschnitt geraten. Bei Zwillingen kann die Geburt auch auf natürlichem Wege erfolgen. Voraussetzung dafür ist, dass die Schwangerschaft ohne Komplikationen verlaufen ist, und dass sich der erste Zwilling bereits in Schädellage befindet. Es wird stark dazu geraten, im Krankenhaus zu entbinden.

Interessant: Im Jahr 2014 gebaren 13.270 Frauen in Deutschland Mehrlinge. Davon
waren 12.977 Zwillingspärchen, gefolgt von 282 Drillingsgeburten . Lediglich elf Frauen brachten mehr als drei Mehrlinge zur Welt. Damit sind speziell Zwillinge gar nicht so selten, wie man denkt.

Eine Mehrlingsschwangerschaft ist durchschnittlich kürzer als eine Ein-Kind-Schwangerschaft. So kommen Zwillinge in der Regel bereits in der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Drillinge oft noch eher. Das Geburtsgewicht von Mehrlingen ist häufig deutlich geringer. Es ist demnach keine Seltenheit, dass Zwillinge oder Drillinge nach der Geburt medizinisch unterstützt werden müssen. Daher ist es sinnvoll, eine Geburtsklinik zu wählen, in der bei Bedarf auch die Versorgung der Babys gewährleistet werden kann.

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