Neurodermitis beim Baby – alles Wichtige auf einen Blick
- Definition: chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft
- Ursachen: noch nicht vollständig geklärt, aber vermutlich ein Zusammenspiel aus Veranlagung und Umweltfaktoren
- Symptome: trockene Haut, die mit starkem Juckreiz einhergeht; oftmals bessern sich die Beschwerden im Jugendalter
- Diagnose: Erhebung der Krankheitsgeschichte und körperliche Untersuchung, manchmal Bluttest zur Bestimmung der Antikörper (IgE-Werte)
- Behandlung: Kombination aus Hautpflege und Vermeidung auslösender Faktoren; in schweren Fällen sind Medikamente wie Kortison notwendig
- Vorbeugung: vollständige Vorbeugung ist schwierig, allerdings kann es helfen, das kindliche Immunsystem zu unterstützen
- FAQ
Was ist Neurodermitis?
Neurodermitis (atopische Dermatitis, atopisches Ekzem) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die nicht ansteckend ist. Sie verläuft in Schüben, wobei beschwerdefreie Zeiten auf symptomatische Phasen folgen. Die Dauer der akuten Phase ist dabei individuell und kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen anhalten.
Bei der Erkrankung ist die oberste Hautschicht – die Hornschicht – gestört, wodurch sie ihrer Schutzfunktion nicht nachkommen kann. Dies führt zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen wie Allergenen oder Keimen, die Infektionen verursachen können.
Gleichzeitig verliert die Haut mehr Feuchtigkeit und wird trockener, rissiger und anfälliger für Entzündungen. Andererseits kommt es bei Neurodermitis zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems. Aufgrund einer Fehlregulation produziert der Körper vermehrt IgE-Antikörper, die ihn auf eigentlich harmlose Substanzen wie Hausstaubmilben, Pollen oder bestimmte Lebensmittel überempfindlich reagieren lassen.
Wie häufig tritt Neurodermitis auf?
Die Neurodermitis gehört zu den häufigsten Hautkrankheiten im Kindes- und Jugendalter.1
- Etwa 20 Prozent aller Säuglinge und Kleinkinder sind betroffen.
- Bei den Erwachsenen leiden rund 3 bis 5 Prozent an Neurodermitis.2
Was verursacht Neurodermitis bei Babys?
Wie genau es zur Entstehung einer Neurodermitis kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Als gesichert gilt jedoch, dass es sich um ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung sowie inneren Einflüssen und Umweltfaktoren handelt.3
In vielen Fällen beginnt die Erkrankung mit einer genetischen Vorbelastung, die zu einer Störung der Hautbarriere führt. Wenn beide Elternteile an Neurodermitis leiden, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind betroffen ist, bei 60 bis 80 Prozent. In Familien, in denen kein Elternteil eine atopische Erkrankung hat, liegt das Risiko der Kinder bei 5 bis 15 Prozent.3
Darüber hinaus gibt es verschiedene Faktoren, die als Auslöser (Trigger) infrage kommen können:
- Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel, Hausstaubmilben oder Pollen
- übertriebene Hygiene, wie häufiges Baden
- Waschmittel und Duftstoffe
- extreme Temperaturen
- Kleidung aus Wolle
- schädliche Umwelteinflüsse wie Zigarettenrauch oder Luftverschmutzung
- psychischer Stress
Die genannten Trigger können in Kombination oder einzeln dazu führen, dass die Symptome der Erkrankung akut auftreten und/oder sich verschlimmern.
Interessant: Es gibt nicht die eine Neurodermitis…
…sondern verschiedene Formen (Endotypen), die auch einer unterschiedlichen Behandlung bedürfen. Unterschieden werden:
- Extrinsische Form: häufigere Form, die mit erhöhten IgE-Antikörpern einhergeht (Anzeichen für eine Allergie); als klassische Allergie gelten Reaktionen auf Hausstaubmilben, Pollen sowie Nahrungsmittel
- Intrinsische Form: IgE-Spiegel liegt im Normalbereich; allergische Reaktionen spielen eine untergeordnete Rolle; gestörte Hautbarriere führt dazu, dass sich krankmachende Erreger ansiedeln; kann sich zu einer extrinsischen Neurodermitis entwickeln
Woran erkennt man, ob ein Baby Neurodermitis hat?
Neurodermitis ist bei Babys meist durch folgende Merkmale gekennzeichnet: 4,5
- erstmaliges Auftreten: typischerweise zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat
- Symptome: trockene, rissige Hautstellen, die mit starkem Juckreiz einhergehen
- betroffene Hautstellen: Kopfhaut, Wangen und Stirn; bei älteren Kindern und Jugendlichen sind oftmals Hände und Arme, Armbeugen, Kniebeugen, der Nacken und Genitalbereich betroffen
- Verlauf: zeigt sich häufig zunächst als Milchschorf; bei vielen Kindern bessern sich die Symptome mit zunehmendem Alter, aber die Haut bleibt oft empfindlich
Abgrenzung zu Milchschorf, Kopfgneis und seborrhoischem Ekzem
- Milchschorf tritt häufig in den ersten Lebensmonaten auf und zeigt sich durch gelbliche, schuppige Krusten auf der Kopfhaut des Babys. Diese Form heilt in der Regel von selbst ab, ohne dass sie mit starkem Juckreiz oder Entzündungen verbunden ist.
- Kopfgneis wird oft umgangssprachlich für das seborrhoische Ekzem bei Säuglingen verwendet. Die Erkrankung ähnelt dem Milchschorf, ist jedoch in der Regel weniger ausgeprägt und verursacht keinen Juckreiz.
Die chronische Neurodermitis verursacht nicht nur körperliche Beschwerden, sondern kann auch psychische Belastungen mit sich bringen. So führen der ständige Juckreiz und die Hautirritationen oftmals zu Schlafproblemen, da sich das Kind im Schlaf kratzt. Das kann wiederum den Heilungsprozess verzögern und Verletzungen verursachen.
Ältere Kinder stehen zudem häufig vor sozialen Herausforderungen: Bedingt durch den sichtbaren Hautausschlag sind beispielsweise Hänseleien möglich, die mitunter das Selbstwertgefühl negativ beeinflussen.
Diese emotionalen Belastungen betreffen in der Regel nicht nur das Kind, sondern auch die Eltern. Um mit den Herausforderungen besser umgehen zu können, empfehlen sich psychische und emotionale Unterstützungsangebote wie Beratungen oder Selbsthilfegruppen.
Diagnose: Wie stellt der Arzt Neurodermitis beim Baby fest?
Die Diagnose von Neurodermitis bei Babys erfolgt in der Regel durch einen Kinderarzt oder Dermatologen und umfasst folgende Schritte:
- Anamnese: Der Arzt fragt nach der medizinischen Vorgeschichte, insbesondere familiären Allergien oder Hauterkrankungen.
- Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Haut, um typische Symptome wie trockene Haut, Rötungen und Juckreiz zu identifizieren und andere Hautkrankheiten auszuschließen.
- Hauttests: Bei Verdacht auf Allergien können Allergietests (z. B. auf Pollen oder Lebensmittel) durchgeführt werden.
- Blutuntersuchungen: In einigen Fällen wird eine Blutuntersuchung gemacht, um erhöhte IgE-Werte (Antikörper) zu überprüfen, die auf eine Allergie hinweisen.
Was hilft bei Neurodermitis bei Babys?
Als chronische Erkrankung ist die Neurodermitis bei Babys nicht heilbar, kann aber gut behandelt werden. Die wichtigsten Maßnahmen sind:
- Tägliche Hautpflege: Feuchtigkeitsspendende Salben und Lotionen stärken die Hautbarriere und verhindern Trockenheit.
- Auslöser vermeiden: Alle krankheitsfördernden Faktoren sollten aus dem Umfeld des Kindes entfernt werden.
Kann Neurodermitis bei Babys wieder verschwinden?
Neurodermitis ist grundsätzlich nicht heilbar und es kann immer wieder zu akuten Schüben kommen. In einigen Fällen bessert sich die Erkrankung jedoch mit zunehmendem Alter und kann sogar ganz verschwinden, insbesondere wenn sie im Kindesalter beginnt.
Zusätzliche Tipps für den Alltag:
- Baden: Das Wasser sollte maximal 35 Grad Celsius warm sein und das Bad nicht länger als 10 Minuten dauern, um die Haut nicht unnötig zu strapazieren.6
- Kleidung: Geeignet ist vor allem weiche, atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle, um Hautirritationen zu vermeiden. Synthetische Stoffe oder Wolle sollten vermieden werden.
- Fingernägel: Damit das Baby sich nicht unnötig durch Kratzen verletzt, sollten die Nägel regelmäßig gekürzt werden.
- Pflegeprodukte: Empfehlenswert sind Produkte, die feuchtigkeitsspendend und rückfettend wirken, um die Haut zu pflegen, den Feuchtigkeitsverlust zu verhindern und sie vor äußeren Reizen zu schützen. Diese sollten keine Duftstoffe oder aggressive Inhaltsstoffe enthalten.
In einigen Fällen kann es in Rücksprache mit dem Arzt notwendig sein, auf Medikamente zurückzugreifen: Sind die schorfigen Hautareale beispielsweise mit Bakterien infiziert, ist die Behandlung mit einer antibiotischen Creme nötig. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika (antiallergische Mittel). Bei schweren Schüben sind Glukokortikosteroide, also kortisonhaltige Präparate eine weitere Möglichkeit.
Was dürfen Babys und Kinder mit Neurodermitis nicht essen?
Es gibt keine allgemeingültigen Verbote für bestimmte Nahrungsmittel bei Kindern mit Neurodermitis. Allerdings ist die Erkrankung häufig mit einer Lebensmittelallergie verbunden, die in über 90 Prozent der Fälle durch Kuhmilch, Hühnerei, Erdnüsse, Weizen, Soja, Nüsse und Fisch ausgelöst wird.7 Daher wird besonders bei familiärer Allergiegeschichte empfohlen, diese Lebensmittel schrittweise und unter ärztlicher Aufsicht einzuführen, um mögliche Reaktionen frühzeitig zu erkennen.
Kann man Neurodermitis bei Babys verhindern?
Neurodermitis wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter auch die Genetik, was eine vollständige Vorbeugung schwierig macht. Es gibt jedoch Maßnahmen, die das Risiko verringern können, insbesondere durch die gezielte Unterstützung der Entwicklung des kindlichen Immunsystems.8
- Stillen: Es gibt zwar keinen eindeutigen Beleg dafür, dass Stillen direkt einer Neurodermitis vorbeugt, dennoch wird empfohlen, dass Kind mindestens 4 Monate zu stillen. Muttermilch enthält wichtige Stoffe, die die Entwicklung des Immunsystems fördern.
- Frühe Gewöhnung an Lebensmittel: Die Einführung von Beikost zwischen dem 4. und 6. Monat kann dabei helfen, eine Toleranz gegenüber bestimmten Lebensmitteln zu entwickeln.
- Haustierhaltung: Einige Studien zeigen, dass das Zusammenleben mit Hunden oder Vögeln schützend wirken kann. Der Grund ist noch nicht vollständig geklärt. Von Katzen wird jedoch in Haushalten mit erhöhtem Allergierisiko abgeraten.
- Hautpflege: Bei Kindern mit familiärer Vorbelastung soll regelmäßiges Eincremen der Haut eine vorbeugende Wirkung haben. Dieser Ansatz muss jedoch noch weiter erforscht werden.
Welche Rolle spielt die Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit?
Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass das Meiden bestimmter Lebensmittel in Schwangerschaft oder Stillzeit das Allergierisiko des Kindes verringert.9 Ein vorsorglicher Verzicht auf Lebensmittel wie Milch oder Eier ist daher nicht notwendig.
Häufig gestellte Fragen zu Neurodermitis bei Babys und Kindern
Neurodermitis zeigt sich meist durch trockene, rissige Hautstellen, die stark jucken. Der Hautausschlag kann schuppig und gerötet sein. Typischerweise treten die Symptome bei Babys zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat auf und betreffen häufig die Wangen, Stirn und Kopfhaut.5 Bei älteren Kindern sind auch Hände, Arme und Ellen- sowie Kniebeugen betroffen.
Bei einem akuten Neurodermitis-Schub ist vor allem das Vermeiden der Auslöser (wie bestimmte Allergene oder Reizstoffe) wichtig. Eine sanfte Hautpflege und das Tragen von Baumwollkleidung können ebenfalls helfen, Hautirritationen zu vermeiden. In einigen Fällen sind Medikamente wie Antihistaminika oder kortisonhaltige Präparate notwendig, um die Symptome zu lindern.
Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung, die in der Regel nicht heilbar ist. Bei vielen Babys bessern sich die Symptome mit der Zeit oder verschwinden ganz, vor allem im Kindesalter. Allerdings kann die Veranlagung bestehen bleiben, sodass Schübe auch später wieder auftreten können.
Es gibt keine allgemeingültige Liste von Lebensmitteln, die Babys mit Neurodermitis meiden sollten. Allerdings geht die chronische Hauterkrankung oftmals mit einer Lebensmittelallergie einher, beispielsweise gegen Kuhmilch, Hühnerei, Weizen oder Erdnüsse.7 Je nach bekannter Allergie sollten diese Nahrungsmittel gemieden werden, um einen Neurodermitis-Schub zu vermeiden.