Jod in Schwangerschaft und Stillzeit

Jod ist für den Körper überlebenswichtig. Auch in der Schwangerschaft ist das Spurenelement von großer Bedeutung: Ist die Frau mit Jod in der Schwangerschaft unterversorgt, kann dies zu Entwicklungsschäden beim Baby führen. Einem Jodmangel sollte in der Schwangerschaft daher unbedingt vorgebeugt werden.

Jodhaltige Lebensmittel wie Salz unterstützen die Entwicklung des Embryos

Jod gehört zu den essenziellen Spurenelementen. Das bedeutet, dass der Körper es nicht selbst herstellen kann. Um unsere Jodversorgung sicherzustellen, müssen wir Nahrung zu uns nehmen, in der das Spurenelement enthalten ist. Das Problem: Jod ist in Deutschland im Boden und im Wasser nur wenig vorhanden. Pflanzen, die hier wachsen, sind daher nicht sehr reich an Jod, gleiches gilt für unser Trinkwasser.

Jod ist lebenswichtig – nicht nur in der Schwangerschaft

Unser Körper benötigt Jod in einer ausreichenden Menge – unabhängig von einer bestehenden Schwangerschaft. In erster Linie ist das Spurenelement für die Bildung von Schilddrüsenhormonen notwendig, die viele unserer Stoffwechselprozesse steuern. Weitere Vorgänge, für die Jod wichtig ist, sind beispielsweise:

  • Wachstum
  • Knochenbildung
  • Gehirnentwicklung
  • Energiestoffwechsel

In der Schwangerschaft benötigt der Körper nicht nur Jod für die Mutter, sondern auch für das Kind. Leidet die Mutter in der Schwangerschaft unter Jodmangel, kann es zu Entwicklungsstörungen beim Embryo kommen. Betroffen sind das Gehirn, die Schilddrüse und der Knochenbau.

Jod unterstützt die Entwicklung des Babys

Ab der 14. Schwangerschaftswoche beginnt die Schilddrüse des Ungeborenen, eigenständig zu arbeiten. Um die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) zu produzieren, benötigt das Baby Jod, genauso wie ein Erwachsener. Bei Jodmangel kann es zu einer sogenannten Hypothyreose kommen, also einer hormonellen Unterversorgung. Insgesamt führt dies zu einem verlangsamten Stoffwechsel, der viele verschiedene Konsequenzen mit sich bringt. Fehlbildungen am Skelett, eine verzögerte geistige Entwicklung und Sprachstörungen können die Folge sein. Das Krankheitsbild nennt man Kretinismus.

Auch die Lungenreifung beim Baby erfolgt etwas verlangsamt, wenn die Mutter nicht ausreichend mit Jod versorgt ist. Führt der Jodmangel zu einer vergrößerten Schilddrüse beim Kind, kann es nach der Geburt zu Atem- und Schluckbeschwerden kommen.

Laut einer britischen Studie hatten die Kinder von Frauen, die zu wenig Jod in der Schwangerschaft zu sich genommen hatten, im Alter von acht Jahren im Durchschnitt einen etwas geringeren IQ.1 Generell erhöht Jodmangel das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt.

Der durchschnittliche Jodbedarf

Schon seit vielen Jahren gilt in Deutschland die Empfehlung, mit Jod angereichertes Salz zu verwenden. Das gilt für Haushalte ebenso wie für Gastronomen. Auch Nutztiere erhalten in Deutschland mit Jod angereichertes Futter. Darum hat sich unsere Jodversorgung seit den 1990er Jahren deutlich verbessert und laut Weltgesundheitsorganisation herrscht in Deutschland heute kein Jodmangel mehr.

Trotzdem zeigen Studien zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beispielsweise, dass die Jodversorgung immer noch nicht optimal ist. Besonders bei Schwangeren, die einen erhöhten Jodbedarf haben, testen viele Frauenärzte zu Beginn der Schwangerschaft die Werte der Frau.

Der Tagesbedarf eines Menschen ist auch abhängig vom Alter. Folgende Mengen gelten als Richtwerte für eine ausreichende Jodversorgung:

AltersklasseEmpfohlene Jodzufuhr
Säuglingebis 4 Monate (Schätzwert)40 µg/Tag
4 Monate bis 12 Monate80 µg/Tag
Kinder1 bis unter 4 Jahre100 µg/Tag
4 bis unter 7 Jahre120 µg/Tag
7 bis unter 10 Jahre140 µg/Tag
10 bis unter 13 Jahre180 µg/Tag
13 bis unter 15 Jahre200 µg/Tag
Jugendliche und Erwachsene15 bis unter 51 Jahre200 µg/Tag
51 Jahre und älter180 µg/Tag
Schwangere230 µg/Tag
Stillende260 µg/Tag

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Zum Vergleich: 200 ml Milch mit 3,5 Prozent Fett liefern etwa 10 µg Jod. 150 g Schellfisch enthalten bereits 285 µg Jod.

Jod richtig zuführen

Um den eigenen Jodhaushalt im Gleichgewicht zu halten, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, jodiertes Speisesalz zu verwenden. Gute Jodlieferanten sind außerdem Milchprodukte, Meeresfrüchte und Seefisch, zum Beispiel:

  • Schellfisch
  • Seelachs
  • Kabeljau
  • Miesmuscheln
  • Hummer
  • Garnelen

Mit ein bis zwei Fischgerichten pro Woche können die Jodwerte schon spürbar erhöht werden.

Nahrungsergänzung für Schwangere

Schwangeren Frauen wird oft geraten, Jod über Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen, um die empfohlene Menge von 260 µg/Tag zu erreichen. Es gibt auch Kombipräparate, in denen beispielsweise Folsäure, Eisen, Calcium und diverse Vitamine enthalten sind.

Getrocknete Algen strotzen zum Teil nur so vor Jod, weil sich das Spurenelement in Meerwasser anreichert und manche Algenarten dieses speichern. Der Jodgehalt schwankt jedoch enorm. Manche Algenarten enthalten so viel Jod, dass schon bei dem Verzehr von unter zehn Gramm ein Jodüberschuss erreicht wird. Zwar wird Jod über die Nieren ausgeschieden, je nach zugeführter Menge und individueller Konstitution kann ein Jodüberschuss jedoch gesundheitliche Schäden hervorrufen. Es ist daher nicht ratsam, gezielt Algen zu verzehren, um einem Jodmangel vorzubeugen.

Jodmangel in der Stillzeit

Auch in der Stillzeit ist es weiterhin wichtig, dass Mutter und Kind gut mit Jod versorgt sind. Denn die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes kann durch einen Jodmangel immer noch gefährdet werden. Frauen, die stillen, sollten daher wie in der Schwangerschaft auch, weiterhin auf eine ausreichende Versorgung mit Jod achten.

Wenn der Jodhaushalt durch die Ernährung nicht ausgeglichen werden kann, kann die Einnahme von Jodtabletten ratsam sein. Der Frauenarzt oder ein Ernährungsberater sind im Zweifelsfall gute Ansprechpartner, um den Jodhaushalt in Schwangerschaft und Stillzeit zu verbessern.

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