Verstopfung bei schwangeren Frauen

Verstopfung ist eine der klassischen Schwangerschaftsbeschwerden, viele schwangere Frauen klagen über Probleme mit dem Darm. Doch was steckt dahinter? Und was hilft gegen Verstopfung in der Schwangerschaft?

Frau leidet in der Schwangerschaft an Verstopfung

Wie entsteht Verstopfung bei schwangeren Frauen?

Der Grund für das häufige Auftreten von Verstopfung bei schwangeren Frauen ist in erster Linie die Hormonumstellung: Während der Schwangerschaft schüttet der Körper vermehrt das Hormon Relaxin aus. Es sorgt dafür, dass Bänder, Sehnen und Muskeln lockerer und geschmeidiger werden. Das ist wichtig, damit im Körper der werdenden Mutter ausreichend Platz für das heranwachsende Baby ist. Außerdem weitet sich dadurch das Becken, was die spätere Geburt vereinfacht.

Interessant:
Von Verstopfung (medizinisch auch Obstipation genannt) ist die Rede, wenn eine Darmentleerung nur sehr unregelmäßig stattfindet, und der Stuhl dabei ungewöhnlich hart ist. Die Folge ist Unwohlsein, Spannungen oder sogar Schmerzen im Unterbauch. Rund die Hälfte aller schwangeren Frauen ist davon betroffen.

Der Nebeneffekt: Die Darmmuskulatur entspannt sich und arbeitet langsamer als üblich. Dadurch verbleibt der Stuhl länger im Körper, sodass ihm im Darm mehr Wasser entzogen wird. Hinzu kommt, dass der Körper einer schwangeren Frau generell vermehrt Wasser speichert.

Weitere Faktoren, die Verstopfung begünstigen, sind

Verstopfung ist außerdem eine typische Nebenwirkung von Eisenpräparaten, die viele schwangere Frauen einnehmen.

Abführmittel gegen Verstopfung in der Schwangerschaft?

Schwangere Frauen, die unter Verstopfung leiden, sollten das Problem möglichst ohne Medikamente lösen. Abführmittel sollten nur bei sehr starker Verstopfung und möglichst kurzfristig zum Einsatz kommen. Ein Arzt ist unbedingt vorher zurate zu ziehen. Abführmittel verursachen nämlich einen hohen Wasserverlust und verändern den Elektrolythaushalt. Dies kann unter Umständen den Fötus schädigen. Denn Elektrolyte regulieren den Wasserhaushalt. Sie sind dafür zuständig, dass alle Körperzellen stets mit Flüssigkeit gefüllt sind. Fehlen Elektrolyte im Körper, kann dies schwere Folgen haben: beispielsweise Herzprobleme, Beeinträchtigungen im Nervensystem oder einen niedrigen pH-Wert im Blut.

Zentral für die Verbesserung der Verstopfung sind folgende Aspekte:

  • ausreichend Bewegung
  • viel Flüssigkeit zuführen
  • eine ballaststoffreiche Ernährung

Als Getränke eignen sich

  • Wasser,
  • Fruchtschorlen und
  • Tees.

Wobei nicht alle Kräutertees in der Schwangerschaft zu empfehlen sind. Johanniskraut-Tee beispielsweise ist für den Embryo möglicherweise schädlich und sollte nur in geringen Dosen getrunken werden. Rosmarin-Tee kann Krämpfe oder Wehen auslösen. Die Hebamme oder der behandelnde Arzt sind gute Ansprechpartner bei der Auswahl.

Eine ballaststoffreiche Ernährung umfasst beispielsweise Vollkornprodukte wie Pasta oder Brot. Weitere ballaststoffreiche Lebensmittel sind:

  • ungeschältes, rohes Obst und Gemüse (gut abwaschen!)
  • Müsli (möglichst zuckerfrei)
  • Naturreis

Sollte dies nicht ausreichen, kann man mit Füll- und Quellstoffen den Ballaststoffgehalt weiter erhöhen. Geben Sie beispielsweise Leinsamen oder Weizenkleie in das Essen. Bei akuter Verstopfung helfen außerdem zwei bis drei Gläser Sauerkrautsaft pro Tag und über Nacht aufgeweichte Trockenpflaumen.

Wer bei Verstopfung auf zusätzliche Hilfe setzen möchte, sollte Inhaltsstoffe wie Rhabarberwurzel, Faulbaumrinde oder Aloe vermeiden. Sprechen Sie die Einnahme vorher mit Ihrem Frauenarzt ab. Sollte die Verstopfung über einen längeren Zeitraum anhalten, kann mit dem Frauenarzt über den Einsatz von Medikamenten beraten werden.

Nebeneffekt von Verstopfung

Ein lästiger Nebeneffekt einer Verstopfung in der Schwangerschaft sind Hämorrhoiden. Dies sind erweiterte Blutgefäße, die den After abdichten. Normalerweise sitzen sie im Inneren des Körpers und sind von außen nicht zu sehen. Starkes Pressen – beispielsweise bedingt durch Verstopfung – kann zu Thrombosen im Venensystem führen. Die Blutgefäße sind dann von außen als weiche Knubbel rund um den After sicht- und tastbar. Man spricht dann von äußeren Hämorrhoiden. Sie können sich entzünden, Schmerz und Juckreiz auslösen.

Fazit: Verstopfung bei schwangeren Frauen

Schwangere Frauen leiden besonders häufig unter Verstopfung. Das hat damit zu tun, dass die Hormonumstellung den Darm träge werden lässt. Viel Bewegung, eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Wasserzufuhr sind wichtig, um die Verdauung in Schwung zu bringen. Auf Medikamente und Abführmittel sollten schwangere Frauen möglichst verzichten.

Tipp: Toilettenhocker sind nicht nur voll im Trend, sondern vereinfachen den Stuhlgang – besonders bei Verstopfung. Unsere westeuropäische Toilettenhaltung ist für die Entleerung des Darms eigentlich ungeeignet. Statt zu sitzen, sollten wir hocken, sodass ein Winkel von etwa 35 Grad entsteht. Ansonsten wird der Darm durch Muskeln abgeklemmt, was den Stuhlgang erschwert. Abhilfe schafft ein kleiner Hocker vor der Toilette, auf den die Füße abgestellt werden. Der Darm lässt sich so leichter und schneller entleeren.