Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft

Himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt? In der Schwangerschaft sind solche Stimmungsschwankungen keine Seltenheit. Schwangere Frauen und ihr Umfeld begegnen diesem Auf und Ab der Gefühle am besten mit Gelassenheit.

Frau mit hormonellen Stimmungsschwankungen

Ein sentimentaler Werbespot im Fernsehen oder eine rührende Szene am Bahnhof – schon fließen die Tränen. Viele schwangere Frauen sind anfällig für starke Stimmungsschwankungen. Dabei wechseln sich überschäumendes Glück und Euphorie mit großer Angst, Aggression und Frust ab. Ein Großteil der Schwangeren kennt dieses Wechselbad der Gefühle.

Selbst wenn die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft und ein Wunschkind unterwegs ist, überkommt die werdende Mutter an manchen Tagen vielleicht eine unerklärliche Traurigkeit. Diese Stimmungsschwankungen werden durch die hormonelle Umstellung ausgelöst, die eine Schwangerschaft mit sich bringt.

Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft

Sobald sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter gut eingenistet hat, beginnt der Körper mit der Hormonumstellung: Es werden vermehrt Hormone gebildet, die den Körper auf die Schwangerschaft und spätere Geburt vorbereiten.

Das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin) lässt die Fruchtblase wachsen und fördert die Produktion des weiblichen Hormons Progesteron. Es erweitert die Gefäße und lockert das Bindegewebe. Östrogen lässt Bänder und Gelenke weicher werden und entwickelt die Milchdrüsen. Das Hormon Relaxin entspannt ebenfalls die Bänder und lässt die Muskeln dehnbarer werden. Auch der Insulinpegel ist während der Schwangerschaft erhöht.

Hormoncocktail verursacht Stimmungsschwankungen

Die Produktion dieser Hormone ist noch längst nicht abgeschlossen. Im Verlauf einer Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt immer wieder. Die Hormone sind wichtig für die kindliche Entwicklung und die notwendigen Veränderungen im Körper der Mutter. Sie sind jedoch nicht nur an zahlreichen körperlichen Vorgängen beteiligt, sondern können auch stark die Emotionen beeinflussen.

So kommt es auch zu den typischen Stimmungsschwankungen. Ein Auf und Ab der Gefühlswelt ist also völlig normal während einer Schwangerschaft, auch wenn es für den eigenen Lebenspartner und die Freunde manchmal nicht leicht ist. Viele schwangere Frauen haben vielleicht Angst oder schämen sich, plötzlich so launenhaft zu sein.

Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft: Reden tut gut

Gerade in der ersten Zeit fühlen sich schwangere Frauen von den vielen körperlichen wie psychischen Veränderungen oft überfordert. Hinzu kommt der gefühlte Druck des persönlichen Umfeldes, ständig voller Freude über die Schwangerschaft sein zu müssen. Dabei machen sich werdende Mütter vielleicht eher Sorgen darüber, welche Veränderungen eine Geburt in ihrem Leben mit sich bringt. Solche Gedanken führen mitunter zu einem seelischen Tief.

Wissenswert: Nach einer Anpassungszeit löst sich der Gefühlsknoten bei vielen Frauen von alleine, spätestens im vierten Monat. Denn dann hat sich auch der Hormonhaushalt bereits etwas reguliert.

Körper und Psyche müssen sich erst an die veränderte Situation gewöhnen und Stimmungsschwankungen sind nicht selten die Folge. Statt diese zu ignorieren, ist es besser, sie zuzulassen. Zwingen Sie sich nicht dazu, ständig eine Hochstimmung zu zeigen, obwohl Ihnen nicht danach ist.

Reden Sie offen mit Ihrem Partner über Ihre Gefühle. Manches löst sich schon in dem Moment auf, in dem es angesprochen wird. Außerdem ist es für Außenstehende leichter, Sie zu verstehen und bestmöglich zu unterstützen, wenn Sie mit ihnen reden.

Depression oder Stimmungsschwankung?

Nichtsdestotrotz kann es in einer Schwangerschaft auch zu einer ernstzunehmenden seelischen Erkrankung kommen. Regelmäßige Angstzustände oder gar Panikattacken können Hinweise auf eine vorgeburtliche (pränatale) Depression sein. Frauen, die schon vor der Schwangerschaft unter Depressionen litten, sind dafür besonders anfällig.

Wenn die negativen Gefühle überwiegen, ist es ratsam, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Denn unter einer Depression leidet nicht nur die Mutter, sondern auch das heranwachsende Baby.