Geburt einleiten: Ablauf

Der errechnete Entbindungstermin ist längst überschritten und das Baby lässt weiterhin auf sich warten? Ab einem gewissen Punkt raten Ärzte dazu, die Geburt medikamentös einzuleiten. Aber auch andere Gründe können für eine Einleitung sprechen.

Schwangere Frau vor der Entbindung im Klinikbett: medikamentöse Einleitung der Geburt

Die Einleitung einer Geburt bedeutet, dass die Wehen durch die Gabe von Medikamenten in Gang gesetzt werden. Die Entbindung folgt danach weitestgehend ihrem natürlichen Ablauf.

Einleitung der Geburt wegen Übertragung

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen bei Frauenarzt oder Hebamme wird für jede Schwangerschaft der voraussichtlicher Entbindungstermin (kurz: ET) festgelegt.

Allerdings kommen nur etwa drei bis fünf Prozent der Kinder tatsächlich an diesem Tag zur Welt. Der überwiegende Teil wird in den zehn Tagen vor und nach dem Entbindungstermin geboren.

Ist der Termin überschritten, werden die Mütter engmaschig betreut. Stellt der Arzt beispielsweise fest, dass die Plazenta das Baby nicht mehr ausreichend versorgt oder nicht mehr genug Fruchtwasser vorhanden ist, rät man zur Geburtseinleitung.

Wenn keine Komplikationen vorliegen, kann noch etwas abgewartet werden, allerdings wird in Deutschland spätestens 12 bis 14 Tage nach dem Entbindungstermin die Geburt künstlich eingeleitet.

Übrigens: In vielen Fällen wünschen sich die werdenden Mütter selber, dass eine Geburtseinleitung vorgenommen wird, weil sie nicht länger auf das Baby warten möchten. Die Terminüberschreitung ist der häufigste Grund dafür, eine Geburt einzuleiten.

Weitere Gründe für die Einleitung der Geburt:

  • Das Kind ist schon vor der 38. Schwangerschaftswoche sehr groß.
  • Ein Blasensprung ist erfolgt, ohne dass Wehen eintreten.
  • Kind oder Mutter sind erkrankt.
  • Die Mutter hat starke Schwangerschaftsbeschwerden (psychisch oder körperlich).

Einleitung der Geburt: Ablauf

Zunächst beurteilt der Arzt den Reifegrad des Muttermundes: Ist er noch sehr fest, führt man Prostaglandin als Gel in die Scheide ein oder nimmt entsprechende Tabletten. Das Hormon macht den Muttermund weicher, sodass er sich besser öffnen kann.

Normalerweise setzen bereits einige Stunden später Wehen ein. Hat die Geburt nach sechs Stunden noch nicht begonnen, wiederholt man die Behandlung. Treten über zwei Tage hinweg keine Wehen ein, kann ein Kaiserschnitt notwendig werden.

Ist der Muttermund bereits weich und damit reif genug, sich zu öffnen, verabreicht man eine Oxytocin-Infusion (Wehentropf). Die Wehen setzen damit meist recht zügig ein.

Der Verlauf einer eingeleiteten Geburt

Das Geburtsteam ist stark darauf bedacht, die Medikamente so zu dosieren, dass sich die künstlich eingeleitete Entbindung möglichst nicht von einer Spontangeburt unterscheidet. Allerdings berichten Frauen, deren Kinder unter Geburtseinleitung zur Welt kamen, von sehr intensiven Geburtsschmerzen und starken Wehen.

Weitere wehenfördernde Maßnahmen und medizinische Interventionen wie Schmerzmittel kommen häufiger zum Einsatz, als bei natürlichen Geburten.

Als Nebenwirkung kann ein sogenannter Wehensturm einsetzen. Gemeint sind sehr starke und übermäßig häufige Wehen, die nicht nur die Mutter beanspruchen, sondern auch das Kind unter Stress setzen können.

Natürliche Wehenauslöser zur Einleitung der Geburt

Schwangere Frauen, deren Babys es nicht eilig haben, können einige alternative Methoden ausprobieren, um die Geburt natürlich einzuleiten. Beispielsweise wird im Rahmen der geburtsvorbereitenden Akupunktur ein Wehen auslösender Punkt stimuliert. Die Behandlung zeigt bei vielen Frauen Wirkung.

Auch Geschlechtsverkehr wird rund um den Entbindungstermin empfohlen. Jedoch ist es noch unbekannt, ob sich das im Sperma natürlich vorkommende Prostaglandin wehenfördernd auswirkt oder die Kontraktion der Gebärmutter beim Orgasmus.

Werden die Brustwarzen stimuliert, produziert der weibliche Körper übrigens ganz natürlich das im Wehentropf enthaltene Oxytocin.

Vorsicht vor Treppensteigen und Wehencocktail zur Einleitung der Geburt

Früher riet man Schwangeren, die Geburt durch Treppensteigen anzukurbeln. Bewegung wird zwar auch heute empfohlen, allerdings rät man von allzu anstrengenden Aktivitäten wie Treppensteigen eher ab. Schließlich benötigt die werdende Mutter für die anstehende Geburt viel Energie, die nicht schon vorab verbraucht werden sollte. Ein moderater Spaziergang ist daher besser geeignet.

Vorsicht: Von Abführmitteln und dem sogenannten Wehencocktail (ein Mix aus Rizinusöl, Schnaps und einigen anderen Zutaten) sollte man absehen. Ist der Muttermund noch nicht reif, können dadurch Krämpfe entstehen.

Solche Vorhaben sollten stets vorab mit Hebamme oder Frauenarzt besprochen werden.

Aromen wie Zimt, Ingwer oder Nelke sind dagegen unschädlich. Als Massage- oder Badeöl wirken sie entspannend und wehenfördernd zugleich.