Geburtsablauf: natürliche Geburt

Jede Geburt ist einzigartig. Der Ablauf der natürlichen Geburt folgt jedoch bestimmten Phasen. Dabei ist alles auf die sichere Ankunft des Babys ausgerichtet.

Frau beim Stillen ihres Babys nach der natürlichen Geburt

Beginn der natürlichen Geburt: Ablauf

Die Geburt ist ein natürlicher Prozess, der in den allermeisten Fällen auch ohne Unterstützung von Ärzten und Hebammen komplikationslos verlaufen würde. Der Körper der Frau folgt bei der natürlichen Geburt einem bestimmten Ablauf, um das Baby auf die Welt zu bringen.

Die einzelnen Phasen einer natürlichen Geburt sind in Dauer und Intensität jedoch sehr individuell.

Zeichnungsblutung: der Schleimpropf löst sich bei geöffnetem Muttermund

Während der Schwangerschaft ist die Gebärmutter durch einen Schleimpfropf am Muttermund verschlossen, damit keine Bakterien eindringen können. Wenn die Geburt naht und sich der Muttermund öffnet, löst sich der Schleimpfropf ab.

Dieser wird als flüssiger oder zäher Schleim abgegeben.

Beim Lösen des Schleimpfropfes können kleinere Gefäße verletzt werden, sodass es zu einer geringen Blutung, der sogenannten Zeichnungsblutung, kommt.

Das „Zeichnen“ ist ein Hinweis darauf, dass die Geburt sehr bald ansteht. Die Wehen müssen aber nicht am gleichen Tag einsetzen, sondern können noch einige Tage auf sich warten lassen.

Weitere Hinweise für eine nahende Geburt:

  • Durchfall
  • allgemeine Unruhe
  • Schlaflosigkeit
  • Völlegefühl
  • Übelkeit
  • Ziehen im Unterleib (ähnlich Regelschmerzen)

Wehen eröffnen den Geburtsablauf

Bei rund 70 bis 80 Prozent der Frauen beginnt der Ablauf der Geburt mit den Wehen: Die Gebärmutter zieht sich für etwa eine halbe Minute zusammen und entspannt dann wieder.

Der Abstand zwischen den Wehen ist noch recht lang und kann bis zu einer halben Stunde betragen. Mit der Zeit werden die Abstände immer kürzer – ein Zeichen, dass die Geburt gut voranschreitet.

Blasensprung beim Geburtsablauf: Wenn die Fruchtblase platzt

Was man in Film und Fernsehen oft als effektvollen Geburtsstart sieht, ist in Wahrheit eher selten der Fall: Der Blasensprung, bei dem die Fruchtblase platzt und das Fruchtwasser schwallartig aus dem Körper läuft, tritt gerade mal bei 10 bis 15 Prozent der Geburten auf.

Solange der Kopf des Kindes vor dem Blasensprung schon fest im Becken saß, ist der Blasensprung auch ohne Wehen völlig unproblematisch.

Denn dann kann sich die Nabelschnur nicht mehr vor den Kopf schieben und es wird nur eine überschaubare Menge an Fruchtwasser austreten.

Achten Sie darauf, ob das Fruchtwasser klar oder verfärbt ist. Hat das Fruchtwasser eine grünliche Färbung, hat das Kind bereits in das Fruchtwasser gekotet. Dies kann ein Zeichen für Stress sein.

Tipp: Bei einem Blasensprung informieren Sie am besten die Geburtsklinik oder Hebamme telefonisch und beschreiben die Färbung des Fruchtwassers.

Dann kann die weitere Vorgehensweise gemeinsam besprochen werden. Im Normalfall setzen bei einem Blasensprung nach 12 bis 18 Stunden die Wehen von alleine ein und der Ablauf der natürlichen Geburt beginnt.

Falls nicht, wird das Geburts-Team über eine Einleitung nachdenken.

Die Eröffnungsphase: Der Muttermund öffnet sich

Mit dem Einsetzen der Wehen beginnt die sogenannte Eröffnungsphase. Die Kontraktionen werden dabei regelmäßiger und die Abstände dazwischen kürzer. In dieser Zeit öffnet sich nach und nach der Muttermund. Der Kopf des Babys schiebt sich allmählich in den Beckenring der Mutter.

Viele Frauen können diese Phase im Ablauf der Geburt recht gut meistern. Zu Beginn wird häufig ein ausgedehnter Spaziergang angeraten, denn im Gehen werden die Wehen weniger intensiv empfunden.

Außerdem kann die Bewegung den Verlauf beschleunigen. Andere Frauen verbringen diese Phase bevorzugt in der Badewanne oder sitzen auf einem Gymnastikball.

Wenn die Intensität zunimmt, sind Atemtechniken und Massagen eine Erleichterung. Ein Wechsel in der Körperhaltung und das Einnehmen verschiedener Positionen helfen ebenfalls, die Wehen zu bewältigen.

Übrigens: Während der Eröffnungsphase kommt es meist zu einem Blasensprung (sofern er nicht schon vorher erfolgt ist). Der Kopf drückt dann ohne die Polsterung des Fruchtwassers von innen auf den Muttermund, was zu intensiveren Wehen führt. Unter Umständen wird die Fruchtblase während einer Wehe künstlich von der Hebamme geöffnet.

Die Eröffnungsphase ist die längste Phase im Ablauf der Geburt. Beim ersten Kind kann sie zwölf bis vierzehn Stunden dauern.

Bei Frauen, die bereits Kinder geboren haben, ist sie meist nach sechs Stunden abgeschlossen.[i] Laut Studien kann die geburtsvorbereitende Akupunktur diese Phase um bis zu zwei Stunden verkürzen.

Die Übergangsphase: Kurz, aber anstrengend

Im Anschluss an die Eröffnungsphase folgt die Übergangsphase. Dieser Teil im Ablauf der natürlichen Geburt ist vergleichsweise kurz: Die Übergangsphase dauert in der Regel nur eine Stunde. Allerdings ist dies eine sehr anstrengende Zeit für die Mutter.

Die Wehen kommen teilweise unregelmäßig und sehr kurz hintereinander. Manche Frauen haben mit starker Übelkeit zu kämpfen und müssen sich übergeben.

Je nachdem, wie die Eröffnungsphase verlaufen ist, kommt es in der Übergangsphase zu

  • Erschöpfung,
  • Mutlosigkeit
  • oder sogar Aggression.

Hebammen und Geburtsbegleiter sind nun gefragt, die werdende Mutter nach Kräften zu unterstützen. Regelmäßiges Atmen und gezielte Muskelentspannung in den kurzen Ruhephasen sind das beste Mittel, um die Übergangsphase zu bewältigen.

Am Ende der Übergangsphase ist der Muttermund vollständig geöffnet. Der Kopf des Kindes dreht sich in die optimale Geburtsposition.

Die Austreibungsphase: Das Baby ist fast da

Dies ist der letzte Teil im Ablauf der Geburt: Das Baby wird nun endlich geboren. Die Kontraktionen werden sehr stark. Die Ruhepausen sind dafür wieder etwas länger als in der Übergangsphase.

Währenddessen schiebt sich der Kopf des Babys durch das Becken der Mutter. Viele Frauen spüren jetzt den Drang mitzuschieben, da der Druck des Kopfes so groß ist.

Bis vor wenigen Jahren nahmen gebärende Frauen in dieser Phase die sogenannte Käfer-Stellung ein, in der sie auf dem Rücken im Bett liegend die Beine anzogen und angeleitet wurden, stark zu pressen.

Geburtspositionen

Heutzutage weiß man, dass sich stehende oder hockende Positionen positiver auf die Geburt auswirken. Die Frauen können zwischen vielen verschiedenen Gebärpositionen diejenige wählen, die ihnen am meisten zusagt, zum Beispiel:

  • den Vierfüßlerstand
  • das Stehen am Gebärseil
  • die Halbseitenlage auf dem Geburtsbett
  • das Sitzen auf dem Gebärhocker
  • die Hocke, unterstützt durch Partner oder Hebamme

Auch eine Geburt in der Wanne wird in vielen Geburtskliniken und -häusern angeboten.

Zum Ende der Austreibungsphase wird das Baby mit den sogenannten Presswehen aus dem Körper der Mutter geschoben. Bei Erstgebärenden dauert diese Pressphase etwa eine Dreiviertelstunde. Bei folgenden Geburten ist das Baby bereits innerhalb einer halben Stunde geboren.

Sobald das Baby auf der Welt ist, wird das Gesicht leicht gereinigt, damit es besser atmen und die Augen öffnen kann. Das Neugeborene wird der Mutter auf den Bauch gelegt, die Nabelschnur können die Eltern auf Wunsch selber durchtrennen.

Nun folgt nur noch die kurze Phase der Nachgeburt: Innerhalb der nächsten halben Stunde stößt der Körper die Plazenta (Mutterkuchen) ab. Damit ist der Geburtsvorgang abgeschlossen.