Schwanger mit 50+ – Möglichkeiten und Risiken

Frauen bekommen heutzutage in Deutschland ihr erstes Kind im Schnitt mit etwa 30 Jahren1. Das ist deutlich später, als in der Generation davor. Doch auch spätere Schwangerschaften sind dank der guten ärztlichen Versorgung möglich – sogar in einem Alter, in dem normalerweise die Wechseljahre eintreten. Schwangere Frauen über 50 Jahren sind zwar immer noch die Ausnahme, aber kein medizinisches Wunder mehr.

Schwangere über 50 Jahre sieht sich Ultraschallbild an.

Windeln statt Wechseljahre

Frauen, die mit 50 Jahren schwanger werden, bringen häufig ihr erstes Kind zur Welt. In vielen Fällen liegt die späte Schwangerschaft darin begründet, dass die Frau davon ausging, bereits in den Wechseljahren und damit nicht mehr fruchtbar zu sein. Paare gehen in dieser Situation mit der Verhütung nachlässiger um, sodass es zu einer unerwarteten Schwangerschaft kommen kann.

Die Wechseljahre – auch Menopause genannt – treten nicht von einem Tag auf den anderen ein. Bei einer Frau unter 50 Jahren geht man davon aus, dass sie nicht mehr fruchtbar ist, wenn die Monatsblutung mehr als zwei Jahre ausgesetzt hat. Bei einer Frau über 50 reicht ein Jahr aus. Solange die Menstruation noch ab und zu erfolgt, kann sie theoretisch noch schwanger werden. Um dies zu vermeiden, muss weiter verhütet werden.

Die Fruchtbarkeit einer Frau kann der Frauenarzt mittels Ultraschalluntersuchung abschätzen, indem er überprüft, ob noch herangereifte Eibläschen in den Eierstöcken vorhanden sind. Auch ein Hormontest lässt Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit der Frau zu.

Schwanger mit und über 50 dank künstlicher Befruchtung

Wenn die Frau keinen Eisprung mehr hat, kann sie nur durch eine Eizellspende schwanger werden. Das ist eine Methode der künstlichen Befruchtung, bei der einer Frau, in deren Eierstöcken keine eigenen Eizellen mehr heranreifen, die Eizelle einer Spenderin eingesetzt wird. Im Gegensatz zur Samenspende ist die Eizellspende in Deutschland jedoch gesetzlich verboten.

In anderen europäischen Ländern, wie Frankreich, Großbritannien, Niederlanden oder Spanien ist die Eizellspende erlaubt, wird aber unterschiedlich gehandhabt. In vielen Fällen liegt die Entscheidung bei den behandelnden Ärzten, in welchem Alter noch eine Eizellspende vorgenommen wird. Aufgrund der steigenden Risiken liegt für viele Reproduktionsmediziner die Obergrenze bei 50 Jahren oder – abhängig vom gesundheitlichen Zustand der Frau – leicht darüber.

Wer mit über 50 noch schwanger werden möchte, kann daher im europäischen Ausland die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung in Anspruch nehmen. Auch auf diesem Wege kommen vermehrt Schwangerschaften zustande.

Die Risikoschwangerschaft ab 50

Eine Schwangerschaft über 50 Jahre gilt als Hochrisikoschwangerschaft. Fehlgeburten und Gendefekte treten deutlich häufiger auf, als bei jüngeren Schwangeren. Der häufigste Gendefekt ist die Trisomie 21, die auch als Down-Syndrom bekannt ist. Das Risiko einer Trisomie steigt mit dem Alter der werdenden Mutter an. Mit einer Fruchtwasser- oder Blutuntersuchung kann die Trisomie bereits während der Schwangerschaft erkannt werden. Allerdings muss sich die schwangere Frau dann der Frage stellen, ob sie die Schwangerschaft abbrechen oder das Kind austragen möchte.

Weitere mögliche Komplikationen bei Schwangeren über 50 sind:

  • Bluthochdruck
  • Ödeme (Wassereinlagerungen)
  • Gestose (früher: Schwangerschaftsvergiftung)
  • schlechte Leberwerte
  • Schwangerschaftsdiabetes

Darüber hinaus wird die Gebärmutter in diesem Alter nicht mehr so gut durchblutet, was zu einer Unterversorgung des Embryos führen kann. Spätgebärende werden daher deutlich engmaschiger betreut als jüngere Schwangere.

Eine natürliche Geburt kann bei Schwangeren über 50 durch gutartige Wucherungen in der Gebärmutter, sogenannte Fibrome, erschwert oder sogar verhindert werden. Auch Blutungen aufgrund einer tief liegenden Plazenta machen manchmal einen Kaiserschnitt erforderlich.

Manche Risiken lassen sich durch eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen jedoch verringern, sodass etliche Schwangere über 50 Jahren durchaus vollkommen komplikationsfreie Schwangerschaften erleben.

Ältere Mütter sind entspannter

Der große Vorteil einer späten Schwangerschaft besteht darin, dass viele Frauen in diesem Alter seelisch stabiler und gelassener sind. Sie haben ein positives Körpergefühl und können sich auf die anstehende Mutterschaft gut einstellen. Außerdem achten sie mehr auf ihre Gesundheit. Sie rauchen seltener und ernähren sich besser.

Trotz der erhöhten Risiken bringen daher auch die meisten Spätgebärenden gesunde Babys zur Welt. Eine gründliche und lückenlose Schwangerschaftsvorsorge ist dennoch sinnvoll.

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1https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Geburten/Tabellen/GeburtenMutterAlterBundeslaender.html